Es ist die neue Stoßrichtung der amerikanischen Formel-1-Eigner: Verstärkt rein in die spannendsten Citys dieser Welt, Showtime auf spektakulären Stadtkursen. Schon ab 2019 soll deshalb in Miami gerast werden, New York, Los Angeles oder Las Vegas könnten folgen, auch Buenos Aires. Alles gut und schön – nur, liebe Leute von Liberty Media: Was ist eigentlich mit München? What about Munich? Ha?
Wäre doch wirklich eine bärige Sache, a really big thing: Start der F1-Boliden in der Sonnenstraße, volles Rohr rauf zur Stachus-Schikane, rein in die Bayerstraße, dann durchs (extra geschaffene) Söder-S auf die Theresienhöhe, vorbei an der Bavaria auf die lange Lindwurm-Gerade (DRS-Zone, gute Überholmöglichkeit!), hoch bis zum Sendlinger Tor – und wieder auf die Sonnenstraße. Ein ansprechender Kurs, zwar verdammt eng, zugegeben – aber in Monaco ist schließlich auch nicht so viel Platz. Und auch feinstaubmäßig wäre das Münchner City-Rennen kein Problem. Vettel und Kollegen fahren ja nicht Diesel.
Rund um den Großen Preis von Bayern gibt’s natürlich – Ehrensache – ein Top-Unterhaltungsprogramm. OB Reiter macht im riesigen F1-Eventzelt auf der Theresienwiese im Rahmen der Kampagne „Don’t drink if you drive“ mit zwei sportlichen Schlägen das erste Fass alkoholfreies Bier auf: „O’zapft is! Auf einen friedlichen, unfallfreien Grand Prix!“ Die zünftige Band „Speedy Bavarians“ singt „In München fahrn’s a Rennen aus, oans, zwoa, Vollgas!“ In einer Personality-Wahl extra für Zuagroaste wird der Ehrentitel „Der Große Preiß“ verliehen. Und in den VIP-Logen führen BR-Dirndl-Reporterinnen in typischer Manier abgefahrene Promi-Interviews („Christine Neubauer, was fasziniert Sie so an der Formel 1, wenn i fragen derf?“).
Daneben gibt es aber auch ein Angebot für F1-kritische Geister: In der BMW Welt läuft das gesamte Rennwochenende über auf einer Großleinwand der Dokumentarfilm „Anachronismus Formel 1 – die unzeitgemäße Rennserie“. Interessiert freilich kaum jemanden. Die Massen stehen vielmehr am Rennsonntag begeistert und dicht gedrängt entlang des Kurses und feuern auch noch den Letzten im Feld der Rasenden an. München – die Grand-Prix-Stadt mit Herz halt.
Nun, noch ist Liberty Media offenbar nicht willens, die Königsklasse in die Isarmetropole zu schicken. Aber wenn die Amis klug sind, denken sie zügig um. Der Grand Prix of Bavaria wäre fraglos das urigste Formel-1-Rennen ever, ein PS-Spektakel mit Wiesn-Charme drumrum, einmalig auf der Welt.
Mal ehrlich: Was ist dagegen schon Miami?