Abstiegskampf in der Bundesliga

Jenseits von Wolfsburg

von Redaktion

Das neueste Kapitel der unendlichen Geschichte „Der HSV und der Klassenerhalt“ beginnt mit den Worten „Vater unser im Fußballhimmel“. Es geht, man ahnt es, um die ganz großen Themen: irdisches Leben, menschliches Leid und die Barmherzigkeit im Angesicht grenzenlosen Elends („Vergib uns unsere schlechte Saisonleistung“). Darunter macht es ein echter Fußballdino schon lange nicht mehr.

Das Plakat, das Fans am Zaun des Volksparkstadions aufgehängt haben, ist so bizarr, dass es schon wieder amüsant ist. Es passt zu einem Club, der im Pendeln zwischen den Extremen deutscher Rekordmeister ist. Der ganze Verein, über Jahre die Lachnummer der Liga, hat in den letzten Wochen in der öffentlichen Wahrnehmung einen Aufschwung erfahren, den ihm so niemand mehr zugetraut hätte.

Begünstigt wurde dieser Trend dadurch, dass mit dem VfL Wolfsburg ein mehr als ebenbürtiger Konkurrent erwachsen ist. Dem HSV dabei zuzusehen, wie er die Millionen seines Mäzens sinnlos verpulvert, war schmerzhaft genug. Aber noch gar nichts im Vergleich zu den Niedersachsen, die eine Menge Geld in ungeheuer viel Inkompetenz investiert haben. Mit dem Ergebnis, dass die Sympathiewerte der Fußballabteilung es mit denen des gesamten dieselaffärengebeutelten VW-Konzerns aufnehmen können.

Dass es einen dieser zwei Clubs ganz sicher erwischen wird, ist eine sinnige Pointe der Saison. Als wolle aber die Liga ihre ganze herrliche Vielfalt demonstrieren, gesellt sich zu diesen zwei sehr speziellen Abstiegskandidaten ausgerechnet der SC Freiburg. Ein Verein, den irgendwie jeder mag.

So langweilig das Titelrennen seit Jahren ist, so schillernd und mitreißend geht es auch diesmal am anderen Ende der Tabelle zu. Niemand würde sich mehr wundern, wenn die totgesagten Hamburger auch diesmal ihrem Schicksal entgingen. Und jenseits von Wolfsburg fände das auch niemand mehr schlimm.

Zumindest bis zur Relegation. Dann gegen Holstein Kiel, den Nachbarn im Norden, der einige Vorzüge hat, nur dummerweise kein Bundesliga-taugliches Stadion. Der HSV hat schon versichert, er werde seines im Fall der Fälle nicht zur Verfügung stellen.

Die Sympathiefrage wäre damit geklärt.

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