München – Weniger Bart, mehr Gesichtsfarbe, „CO“ statt „TR“ auf der Brust. „Tut mir leid, es bin nur ich“, sagte Oliver Beer, als er pünktlich um 12.15 Uhr jenen Platz vor der Sponsorenwand bezog, an dem sonst Daniel Bierofka seine Pressekonferenzen abhält. Der Chef sei krank, meldete der Co-Trainer. Bierofka werde auch das Saisonfinale in Bayreuth verpassen. „Er hat sich bei seinem Sohn angesteckt“, berichtete Beer, der nun vor seinem Chef die gläserne Meisterschale zu sehen bekommen wird, die Kapitän Felix Weber vor dem Anpfiff entgegennehmen darf.
Und Bierofka ist nicht der einzige Löwen-Promi, der die Saisonabschlussfahrt verpasst. Auch Timo Gebhart und Sascha Mölders fehlten, als die 1860-Delegation – wie gewohnt einen Tag vorher – Richtung Bayreuth aufbrach. Beide seien angeschlagen, meldete der Co-Trainer, bei Mölders sei es das Knie, bei Gebhart die Achillessehne . . .
Die Achillessehne? Beer schien bemüht zu sein, das Wort so beiläufig wie möglich zu erwähnen. Vergeblich. Es war klar, dass er bohrende Nachfragen nicht verhindern konnte – bei der Vorgeschichte. Zur Erinnerung: Eine Reizung der Achillessehne hatte Gebhart fast ebenso lange lahmgelegt wie zuvor sein gerissener Muskelbündel. Erst ein Verzweiflungsbesuch bei Bayern-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt brachte Linderung – mit dem Ergebnis, dass Gebhart zuletzt zwei Kurzeinsätze bestreiten konnte. Und jetzt?
Das Risiko für Bayreuth sei „einfach zu hoch“, so Beer: „Deswegen hat er auch das Training abgebrochen. Wir müssen ihn leider rauslassen.“ Damit nicht auch Gebharts Einsatz in den Playoffs gegen Saarbrücken in Gefahr gerät? Wieder war Bierofkas Assistent bemüht, möglichst entspannt zu wirken. „Wir haben ja noch zehn Tage bis zum ersten Spiel“, sagte er – wohlwissend, dass der große Hoffnungsträger ohne weitere Matchpraxis in die K.o.-Duelle gehen muss. Wenn er überhaupt rechtzeitig fit wird.
In Bayreuth wird daher – wie schon beim 1:2 im Totopokal – die Stunde der Reservisten schlagen. Belohnt werden „Aiges und Bachi“, verriet Beer, also Lukas Aigner und Felix Bachschmid, „die im Training immer so vorbildlich Gas geben“. Aigner wird an der Seite des genesenen Weber verteidigen, Bachschmidt einen Angriff mit dem genesenen Markus Ziereis bilden. Auch Beer selbst ist ja in gewisser Weise Reservist, allerdings einer mit besten Referenzen. Zuletzt saß der „Co“ gegen Eichstätt auf der Bank, damals weilte Bierofka bei der Trainerakademie in Hennef. Ergebnis: 5:0.