Wieder gefragt

von Redaktion

Bayerns Basketballer vor dem Schlüsselspiel gegen Frankfurt – Alex King könnte eine ungewohnt große Rolle spielen

VON Patrick ReICHELT

München – Freitagvormittag haben die Basketballer des FC Bayern noch ein bisschen durchschnaufen dürfen. Es gilt, Kräfte zu bündeln in diesen Tagen. Für Playoffs, die schon so strapaziös beginnen, wie man das leise befürchtet hatte. 1:1 heißt es nach zwei Duellen mit den den Frankfurt Skyliners. An diesem Samstag (20.30 Uhr) sind die Münchner im heimischen Audi Dome im dritten Duell gefordert, soll nicht gleich das Viertelfinale zur großen Nervenprobe werden. Routinier Alex King freilich will sich darüber keine Gedanken machen. „Natürlich hätten wir gerne verhindert, noch einmal nach Frankfurt zu fahren“, sagte er, „aber wir spielen jetzt in unserer Halle, vor unseren Fans. Da wird es anders aussehen.“

Und das Besondere ist: King hat ganz gute Aussichten, selbst mitzumachen, wenn es datum geht, in der Serie das Heft wieder in die Hand zu nehmen. Was insofern schon bemerkenswert ist, als der Nationalspieler solche Perspektiven in dieser Saison nicht immer hatte. Ex-Coach Sasa Djordjevic hatte in dem 33-Jährigen vor allem in der Rückrunde mehr als freundlichen Bankdrücker denn als echte Alternative auf dem Spielfeld gesehen. Null Minuten im Pokalfinale, kein Einsatz in den K.o.-Spielen des Eurocup gegen Kasan und Darüssafaka Istanbul – wann immer es um etwas ging, waren Kings Dienste nicht gefragt.

Das hat sich Djordjevics Nachfolger Dejan Radonjic geändert. Zehn Spieler ist der neue Coach inzwischen am Ruder. Im Schnitt knapp zehn Minuten durfte der Forward dabei immerhin bestreiten. Wieder gefragt zu sein, das ist etwas, woran er sich erst einmal gewöhnen musste. „Wenn du über so viele Monate praktisch nicht spielst, dann verlierst du natürlich deinen Rhythmus“, sagte er, „Ich genieße es, wieder mehr mit den Jungs am Feld zu stehen.“

Radonjic hat Geduld mit ihm bewiesen und King immer wieder Vertrauen geschenkt. Das hatte der Montenegriner ihm gleich zu seinem Amtsantritt zugesichert. „Er hat mir gesagt, dass er mich aus meiner Zeit bei Alba Berlin gut kennt“, sagte Alex King, „und dass er viel von mir hält.“

Wobei es natürlich nicht so ist, dass er bei den Bayern als sportlicher Führungsspieler gefragt wäre. Potenzielle Topscorer, das weiß er selbst ziemlich genau, sind bei den Münchnern andere. Genau genommen hat Alex King nun genau die Rolle wieder bekommen, für die man ihn im Sommer 2016 nach München geholt hatte. Als einen Mann, der in seinen Minuten mit viel Energie von der Bank kommt und den Profis der ersten Reihe Entlastung bringt. „Das klappt jetzt eigentlich wieder ganz gut“, findet er selbst.

Die Rolle könnte vor allem dann noch einmal an Bedeutung gewinnen, wenn Vladimir Lucic nun tatsächlich ausfallen sollte. Nach eingehenden Untersuchungen gaben die Bayern beim Serben, der in Frankfurt nach einem Zusammenprall mit dem kantigen Mike Morrison vorzeitig in die Kabine musste, zwar vorsichtig Entwarnung. „Ein struktureller Schaden“ in der Schulter des 28-Jährigen sei nicht festgestellt worden, vermeldete der Klub. Sehnen und Knochen seien also nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Ob es am Samstag aber schon wieder zu einem Einsatz des vielseitigen Forwards reicht, wird sich wohl erst kurzfristig vor der Partie herausstellen.

Zumindest die Statistik hat der Hauptrunden-Champion aus München am Samstag übrigens auf seiner Seite. In den vergangenen vier Jahren haben die Bayern zwar stets das zweite Viertelfinale verloren. Dem Rückschlag folgte im dritten Duell vor heimischem Publikum aber stets ein Sieg: Na dann.

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