Kieler Klagen

von Redaktion

Der Zweitligist beschwert sich nach dem verpassten Aufstieg über „zweifelhafte“ Relegation

Von Franko Koitzsch und Claas Hennig

Kiel – Die Trauer über den verpassten Aufstieg in die Fußball-Bundesliga schlug beim Zweitligisten Holstein Kiel erst in Verbitterung und dann in eine Anklage um. „Es ist zweifelhaft, wenn der Bundesligist einen Rettungsring zugeworfen bekommt und man dem Dritten der 2. Liga die Chance nimmt, im deutschen Fußball ein Märchen zu schreiben“, klagte Kiels Mittelfeldspieler Dominic Peitz nach dem 0:1 im Relegations-Rückspiel gegen den Bundesliga-16. VfL Wolfsburg. Diskussionen über den sportlichen Ausgang gab es nicht, über den Modus sehr wohl.

„Insgesamt wird es auf Strecke immer so sein, dass der Bundesligist sich durchsetzen wird“, meint Kiels scheidender Trainer Markus Anfang. Der künftige Coach des Bundesliga-Absteigers 1.  FC Köln bezweifelt den Sinn der Relegation im Milliarden-Geschäft Fußball, in dem die Wirtschaftskraft zwischen Erst- und Zweitligisten immer deutlicher auseinanderklafft. „Wenn man den Etat als Maßstab nimmt, ist das wahnsinnig schwer“, sagte er. Holstein Kiel verfügte in dieser Saison über ein Jahresbudget von 6,2 Millionen Euro, Wolfsburg als Werksteam des VW-Konzerns stehen mindestens 70 Millionen Euro per annum zur Verfügung.

Die Folgen von gescheiterten Relegationen gehen mitunter an die Existenz von Zweitligisten. Nachdem der Karlsruher SC 2015 gegen den HSV kurz an der Bundesliga schnuppern durfte, ging es mit den Badenern steil bergab bis in die 3. Liga. Gleiches in Braunschweig: Noch im Vorjahr wollte die Eintracht dem VfL Wolfsburg den Platz im Oberhaus streitig machen – in diesem Jahr steht der Zweitliga-Abstieg.

Was aus den Kielern in ihrer nun anstehenden zweiten Zweitliga-Saison wird, ist ungewiss. Vermutlich wird die Erfolgsmannschaft, die im vergangenen Jahr in die 2. Liga aufgestiegen war und sich bis in die Relegation gespielt hatte, auseinanderfallen. Der Trainer ist schon weg, Profis wie Torschützenkönig und St.-Pauli-Leihgabe Marvin Ducksch, Dominick Drexler oder Kingsley Schindler sind nach der grandiosen Spielzeit heiß begehrt.

Einen Umbruch wird es auch in Wolfsburg geben. Ob Trainer Bruno Labbadia die Zukunft mitgestalten darf, ist noch offen. „Es war der schwierigste Job, den ich bisher gehabt habe“, sagte der Trainer, nachdem der Klassenerhalt geschafft war.

VfL: Schmadtke wird Sportvorstand

Klar ist: Eine weitere Saison wie die beiden vergangenen Spielzeiten darf sich der von VW alimentierte Club nicht noch einmal leisten. Dafür soll auch Jörg Schmadtke als neuer Geschäftsführer Sport sorgen. Der VfL gab die Verpflichtung des 54-Jährigen gestern bekannt.

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