Saarbrücken – „Und?“, fragte Michael Görlitz, als er die Hotellobby betrat: „Was erzählt ihr euch so?“ Eine halbe Löwen-Mannschaft legte daraufhin ihre Smartphones zur Seite und vertrieb sich die Zeit bis zum Mittagessen mit angeregtem Fußballerplausch. Gelacht wurde auch, nicht nur über die Frotzelei des Kollegen Görlitz. Daniel Bierofka flunkerte also keineswegs, als er wenig später, bei der Pressekonferenz vor dem ersten Playoff-Duell mit Saarbrücken, sagte: „Im Team herrscht ein guter Mix aus Lockerheit und einer gewissen Fokussierung. Der Fokus ist da, das merkt man, aber sie sollen sich auch nicht zu sehr unter Stress setzen.“
Das scheint auch dem Trainer zu gelingen, der ja als Erfinder des Tunnelblicks gilt, in Saarbrücken aber auch noch schmunzeln kann, als er zu den Reportern im voll besetzten Saal „Donau“ spricht. Klar: Was zu tun war, hat Bierofka zusammen mit seinem Helferstab erledigt. Gegner Saarbrücken wurde zigfach und von unterschiedlichen Spähern beobachtet, auch noch mal am Montag, als eine B-Elf im Finale des Saarland-Pokals Elversberg unterlag. „Komplett umsonst war’s nicht“, sagte der 1860-Coach und scherzte: „Der Vorteil war, dass ich auch noch mal die Spieler sehen konnte, die nicht so im Fokus stehen.“ Das eigene Team sei eh fit und bereit, wie er betont – bis auf Timo Gebhart (Teilriss der Achillessehne) und Nicholas Helmbrecht (Knie). Sogar an eine Umstellung des Biorhythmus wurde gedacht – mittels zeitlich präzise abgestimmter Akklimatisierung.
Am Dienstag (nach der langen Anreise mit dem Bus) und auch gestern wurde abends trainiert – ab 17.30 Uhr, passend zur Anstoßzeit. Bierofka ist bekannt dafür, nichts dem Zufall zu überlassen; nur an einem Punkt, da sind ihm als Trainer die Hände gebunden. „Meine Aufgabe liegt darin, die Mannschaft maximal vorzubereiten“, sagte er: „Ja, und dann liegt’s an der Mannschaft, das maximal umzusetzen. Sie muss es auf dem Platz dann selber regeln.“
Wie das funktionieren soll gegen einen Gegner, der nach landläufiger Einschätzung übermächtig ist, das hat der 1860-Coach kurz skizziert – trotz seines Drangs zu Heimlichtuerei und Abschottung. „Entscheidend ist, dass wir Saarbrücken fordern“, sagte Bierofka: „Wir wollen aktiv am Spiel teilnehmen, nach vorne agieren. Aber wir können auch gar nicht anders. Die Mannschaft braucht Zweikämpfe, sie braucht den Kontakt zum Gegner – das liegt in ihrer DNA.“ Eine aus übertriebener Ehrfurcht gespeiste Vermeidungshaltung soll vermieden werden, denn das, so der Ex-Profi, könne ins Auge gehen: „Wenn sie Ruhe haben, dann hat Saarbrücken einfach die Qualität, das Spiel zu dominieren.“
Auch der Löwen-Coach ist sich im Klaren darüber, dass da keine leichte Aufgabe auf seine Mannschaft zukommt, dass der Gegner gespickt ist mit Profis, die auch schon in der 2. und 3. Liga ihren Mann gestanden haben. „Herausragend ist die Breite ihres Kaders“, erklärt Bierofka. Bestes Beispiel sei sein ehemaliger Schützling Fanol Perdedaj, der zwar am Montag im Saarland-Pokal auflief, heute aber nicht in der Startelf erwartet wird. „Wenn da ehemalige Zweitligaprofis auf der Bank sitzen, dann ist das schon außergewöhnlich für einen Regionalligisten“, so Bierofka.
Als Motto gab er aus: Respekt ja, Angst nein. Fast kampfeslustig antwortete er auf eine Frage des Saarländischen Rundfunks, ob er angesichts seiner großen Aufgabe Druck empfinde. Bierofka verneinte und sagte: „Ist doch eine schöne Situation für uns. Im Sommer lag hier alles am Boden, alle Verantwortlichen waren weg. Wir haben aus Nichts eine Mannschaft zusammengeschraubt. Eigentlich wollten wir uns stabilisieren und nächstes Jahr den Angriff starten. Dass sich die Mannschaft dann so entwickelt hat, ist super. Deswegen traue ich ihr auch alles zu.“ Und noch mal, damit es jeder mitbekommt: „Dieser Mannschaft traue ich alles zu!“