SKI ALPIN

Erste Schwünge für den Kopf

von Redaktion

Felix Neureuther tastet sich nach seinem Kreuzbandriss mit neuem Trainer wieder an die Arbeit auf der Piste heran

VON ELISABETH Schlammerl

München – Wenn es langsam Sommer wird, haben Skirennfahrer schon wieder den Winter im Kopf. Nur ein paar Wochen nach der Weltcup-Saison ist Zeit, um abzuschalten, nicht an Schnee und Ski zu denken, sondern an Urlaub am Strand. Felix Neureuther musste in diesem Jahr nicht abschalten, zumindest nicht vom Skifahren. Nach seinem Kreuzbandriss hat er die vergangenen Monate vor allem mit Physiotherapie verbracht. Er ist auch nicht in den Süden geflogen oder nach Mauritius wie Kitzbühel-Sieger Thomas Dreßen, sondern nach Norwegen, dorthin, wo im April noch Winter war. Und er konnte es gar nicht erwarten, bis er die Bretter wieder anschnallen durfte. Ende April, gut vier Monate nach der Operation, war es so weit, aber die ersten, für seine Verhältnisse sehr langsamen Schwünge im Ötztal seien in erster Linie „für den Kopf“ gewesen, sagt Neureuther, „um wieder zu wissen, wie es sich anfühlt“.

Und es hat sich gut angefühlt. Den Winter daheim, die Zeit mit Töchterchen Matilda und Frau Miriam hat er zwar genossen, „die Prioritäten verschieben sich eben ein bisschen mit einer Familie“, sagt er, aber trotzdem freut er sich jetzt wieder aufs Skifahren, auf die Rennen. Bis dahin dauert es aber noch ein paar Monate. Der erste Schritt zurück in die Normalität eines Rennläufers war der Konditionskurs mit der Mannschaft Anfang Mai in Andalusien, der nächste folgt in zwei Wochen, da geht’s ins Stubaital, allerdings zunächst „zum therapeutischen Skifahren“, wie der 33-Jährige aus Garmisch-Partenkirchen sagt. Mit dem Renntraining wird er frühestens Mitte Juli starten können, wenn er mit der Mannschaft ins Sommercamp nach Norwegen fährt. Für sein Comeback im Weltcup peilt er den Auftakt Ende Oktober in Sölden an.

Dazwischen muss Neureuther aber immer noch sein lädiertes linkes Knie behandeln lassen und versuchen, die Muskulatur im Oberschenkel wieder aufzubauen. „Da fehlen noch eineinhalb bis zwei Zentimeter.“ Auch die Trainingseinheiten im Kraftraum wird er deshalb erst einmal individuell gestalten. Der Heilungsprozess sei zwar planmäßig verlaufen, sagte er, aber Drehbewegungen bereiten noch Probleme. Dass sich Neureuther ausgerechnet in der Comeback-Saison an einen neuen Trainer gewöhnen muss, ist nicht so einfach. Neun Jahre war Albert Doppelhofer als verantwortlicher Coach für die Technikmannschaft des DSV Vertrauensperson und erster Ansprechpartner. Dessen Nachfolger Bernd Brunner hat Neureu-ther bereits kennengerlernt – und der erste Eindruck, den er vom 47-jährigen Tiroler hat, „ist sehr gut“.

Klingt nach einem stressigen Sommer. Aber der fünffache WM-Medaillengewinner nimmt sich trotzdem noch Zeit für sein soziales Projekt. Seit Jahren versucht er, Kinder dafür zu begeistern, Sport zu treiben. Nun ist er auch Botschafter der Kampagne „Disney Mach mit! Aktiv durch den Sommer“, gibt er auf der Disney-Website Tipps für Kinder und ist demnächst Co-Moderator einer Sport-Mitmach-Sendung im Disney Channel. Die Zukunft der Kinder ist für Neureuther eine Herzensangelegenheit. „Es hat für mich eine große Bedeutung. Und wenn man sieht, dass sich 70 Prozent der Kinder weniger als eine Stunde täglich bewegen, ist das schon krass.“

Die eigene Tochter wird davon wohl nicht betroffen sein. Matilda ist von Geburt an viel unterwegs, egal, ob in der Kraxe auf dem Berg oder im Schlitten in der Loipe. Anfangs hat vor allem Mama Miriam für die frühkindliche Sportförderung gesorgt. Nun kann auch der Papa eingreifen. Wenn er Zeit dafür hat.

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