Man hat sich schon fast daran gewöhnt: Wenn für die meisten Fußballer der Urlaub anbricht, gerne mit vorgeschaltetem Saisonkehraus am Ballermann, wird es für die Löwen erst richtig ernst. Playoff-Zeit ist dann. 2015 gab es die Last-Minute-Rettung gegen Kiel, 2017 ging in 180 Minuten gegen Regensburg alles den Bach runter, der Status als Profiklub, das Image, beinahe auch die Finanzen. Und 2018? Auch da werden zwei Last-Mai-Duelle darüber entscheiden, wie es perspektivisch mit 1860 weitergeht.
Ist das gerecht, dass zwei Tage den Ausschlag geben, wie ein ganzes Spieljahr zu bewerten ist? Über die Nervenfolter namens Relegation ist zuletzt viel gesagt worden, aber wenig Gutes. 1860-Vizekapitän Jan Mauersberger kritisiert indirekt, dass das Kommerzstreben auf dem Rücken der Klubs ausgetragen wird. Der frühere Löwe Manni Schwabl spricht von „seelischer Grausamkeit“. Selbst Markus Ziereis, der dreimal das bessere Playoff-Ende für sich hatte, findet die Aussicht „unmenschlich“, wenn ein Klub ein Jahr lang dominiert hat – und am Ende dasteht, als hätte er die Saison auf Platz 14 abgeschlossen.
Aber: Huift ja nix, wie man in Bayern sagt. Heute und am Sonntag müssen die Löwen noch mal ran – und so unerschrocken wie Bierofka gestern („Dieser Mannschaft traue ich alles zu!“) wünscht sich der Fan auch die Spieler in den Duellen mit den doppelt so hoch alimentierten Saarländern. Spielerische Dominanz ist kaum zu erwarten, erst recht nicht nach dem Ausfall von Timo Gebhart. Dennoch ist es so einiges, das die Bierofka-Jünger in die Waagschale werfen können: Teamgeist, Zusammenhalt, Leidenschaft. Elf-Freunde-Mentalität. Während beim Gegner nicht mal der Trainer weiß, ob es mit ihm weitergeht, ist das doch ein ziemliches Pfund. Speziell vor dem Hintergrund, wie es im Mai 2017 war: So verdient das Söldnerteam um Boenisch und Ba damals abgestürzt ist, so sehr verdient hätten es Mauersberger, Mölders und Co., ihrer starken Saison auch noch ein goldenes Krönchen aufzusetzen.
Das Beruhigende ist: Scheitert 1860 an der Hürde Saarbrücken, bricht nichts zusammen. Der Trainer bleibt, auch das Gros der Spieler. Allerdings: Einen Automatismus, dass es dann halt nächstes Jahr klappt mit dem Aufstieg, gibt es nicht. Bayern wird alles daran setzen, nicht erneut hinter dem Stadtrivalen einzulaufen. Das Erreichen der Relegation wäre 2019 ein noch größerer Erfolg. 2020 steigt der Meister der Regionalliga Bayern direkt auf, doch lehrt die Erfahrung, dass der Substanzverlust mit jedem Jahr im Amateurlager größer wird. Daher, Löwen: Rauf mit Euch – und dann ab nach Mallorca!