Besonderes Trainingscamp

von Redaktion

Pep am Gardasee

2013 fing Pep Guardiola beim FC Bayern an, der damals noch einen Vertrag mit dem Trentin hatte: Regelmäßig sollte die Profi-Mannschaft sich dort auf die Saison vorbereiten. Als der Verein und die Tourismusregion über diese Verbindung einig geworden waren, waren im Juli/August noch nicht diese strapaziösen Touren nach Amerika oder Asien angesagt, um neue Märkte zu erobern. Man hatte noch Zeit für ein klassisches Trainingslager.

In Riva am Gardasee und Arco, wo ein kleines Stadion ist, legte man sich mächtig für den FC Bayern ins Zeug. Marcus Häusler, Chef von „Soccatours“, der viele seiner Kunden ins Trentin vermittelt, hat mitbekommen, wie Pep Guardiola damals die Nerven der Organisatoren strapaziert hat. „In vorauseilendem Gehorsam hatte man in Arco den Trainingsplatz renoviert und einen Kunstrasen verlegt. Guardiola kam und lehnte diesen Untergrund ab. Also haben sie in Arco von einem Tag auf den anderen Rollrasen besorgt, ein komplettes Feld, und ihn über den Kunstrasen gelegt.“ Dabei wurde der Nebenplatz kaum benötigt, die Mannschaft trainierte auf dem Hauptfeld im Stadion. Lediglich der angeschlagene Bastian Schweinsteiger drehte seine Laufrunden auf dem Nebenplatz. „Nach dem Bayern-Trainingslager“, so Marcus Häusler, „haben die Leute von Arco den Rollrasen dann quadratmeterweise verkauft.“ Aber unterm Strich draufgezahlt.

Es war das letzte Mal, dass die Bayern-Profis den Gardasee beehrten. Pep Guardiola hatte gegen die Gegend nichts einzuwenden, schließlich war er Spieler in Italien gewesen und privat öfter ins Trentin gereist. Aber ihn störte der Rummel. Auf der Tribüne saßen Hunderte von Trainern, die jede Übung, die der Meister anordnete, aufzeichneten. Aus Argentinien gekommen war gar einer, der sich „Guardiologist“ nannte. Er folgte dem Meistertrainer überall hin, um darüber in einem Blog zu schreiben.

Ursprünglich sollten die Bayern an fast jedem Tag vor Publikum trainieren, schließlich bestand der Sinn des Vertrags darin, dem Trentin schöne Bilder und in der Folge Touristen zu verschaffen. Guardiola hatte sich unter einem Trainingslager etwas anderes vorgestellt. Wie er aus Barcelona kannte: Keine Fans bei der Arbeit, keine störenden Geräusche, keine Ablenkungen. In den folgenden Tagen hieß es offiziell immer wieder: Trainingseinheit fällt aus. Tatsächlich übte die Mannschaft dann für sich. Es sollte nur niemand verprellt werden, der eigens an den Gardasee gefahren war, um seine Bayern zu sehen.  gük

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