Die Petersen-Qualität: Batsch und bumm

von Redaktion

Bierhoff: „Seine Nominierung war keine Spontanentscheidung“ – Warum der Freiburger ein guter Joker ist

Eppan – Nils Petersen spielt beim SC Freiburg, doch wenn er über sich spricht, dann lässt er schon mal gerne fallen, dass er beim FC Bayern war. Offiziell gehörte er den Münchnern zwei Jahre lang, vom 1. Juli 2011 bis 1. Juli 2013, doch schon das zweite Jahr verbrachte er auf Leihbasis bei Werder Bremen (das ihn danach kaufte). In der einen richtigen Bayern-Saison hat er neun Mal in der Bundesliga gespielt und dabei zwei Tore erzielt. Mit anderen Worten: Er ist dort gescheitert. Aber 2014, als die Deutschen Weltmeister wurden, konnte er sagen: „Das waren mal meine Mitspieler bei Bayern.“ Er war stolz darauf.

Und nun hat er selbst die Möglichkeit, Weltmeister zu werden. Er ist der Überraschungs-Aufgebotene im (vorläufigen) Kader für das Turnier in Russland. Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff beteuert zwar: „Das war keine Spontanentscheidung, kein Geistesblitz von Jogi Löw“, doch Petersen selbst räumt ein, „total überrascht“ gewesen zu sein. Wie das dann so ist: Er war, als er die frohe Kunde hätte erfahren sollen, mit seinen Freiburger Jungs beim Mittagessen, den Klassenerhalt feiern, als „drei Anrufe in Abwesenheit“ eingingen, „Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen.“ Die Nominierung hat er zunächst „nur meiner Freundin gesteckt“, nicht aber dem Vater, obwohl er sich mit ihm sonst über alles Fußballerische regelmäßig austauscht. „Der wäre so euphorisiert gewesen, dass er das noch raus-posaunt hätte.“

Vater Andreas Petersen ist Sportdirektor bei Germania Halberstadt, Regionalliga Nordost. Und der größte Nils-Petersen-Fan. Als er bei einem Aufenthalt in Dubai mal Joachim Löw am Strand sitzen sah, wollte er schon hin, um ihn zur Rede zu stellen, warum sein Sohn nicht längst zur Nationalmannschaft eingeladen würde, Er brach sein Vorhaben dann aber noch ab.

Es hätte außer dem emotional involvierten Petersen senior auch niemand ernsthaft gefordert, Nils in die Nationalmannschaft zu berufen. Es war schon ein unerwartetes Highlight (und den Umständen geschuldet, dass die Bundesligaclubs kaum jemanden abstellen wollten), dass Petersen 2016 ins Olympia-Team von Horst Hrubesch rutschte. Beim SC Freiburg hatte er keinen Stammplatz, auch zu Beginn der Saison 2017/18 nicht. Als Sturmspitze gesetzt war Florian Niederlechner. Der brach sich die Kniescheibe, fortan war Petersen gefordert. Und wuchs an seiner Aufgabe – eine Eigenschaft, die Löw herausstellte, als er die Nominierung begründete. Petersen fabrizierte 15 Bundesligatore, lief in Spielen bis zu 13 Kilometer. Und wenn er nicht von Beginn an spielte, bewies er sich als Joker.

Das ist die Spezialfähigkeit, die Löw sonst bei keinem so ausgeprägt findet. „Die Statistik lügt nicht“, sagt Petersen selbstbewusst. Er erzählt, dass er während des Spiels – auch schon von außen – darauf achtet, „dass ich was aufschnappe“. Eine Schwäche des Gegners, die er dann nutzt. SC-Trainer Christian Streich: „Batsch ist Nils da, und es macht bumm.“

Die anderen Nationalstürmer haben ihm alle was voraus: „Timo Werner die Geschwindigkeit, Mario Gomez, dessen Backup ich bei Bayern war, die Präsenz im Strafraum“, so Petersen. Er selbst ist der, den die internationalen Gegner noch nicht kennen. 29 und noch ohne A-Länderspiel.

Oliver Bierhoff rät (für den Fall der WM-Nominierung): „Im Turnier immer dranbleiben. Man kann auch als Nicht-Stammspieler in wenigen Momenten Geschichte schreiben. Wie Mario Götze 2014.“

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