Wehmut wird noch mal aufkommen an diesem Wochenende. Wenn der Blick nach Kiew geht, zur besten Anstoßzeit um 20.45 Uhr, im Flutlicht, bei Gänsehaut-Atmosphäre, werden sie sich auch beim FC Bayern daran erinnern, was eigentlich möglich gewesen wäre. Die Nationalspieler schauen in Eppan, Jupp Heynckes in Schwalmtal, der Rest verstreut. Aber sie alle eint, dass sie sich ärgern werden. Anstelle von Real Madrid könnte auch der FC Bayern am Samstagabend den FC Liverpool fordern.
Es hat nicht sollen sein, aus diversen Gründen, und während es also nun um Jürgen Klopp oder Zinedine Zidane, um Cristiano Ronaldo oder Mo Salah, um den dritten Real-Streich oder die Liverpooler Sensation geht, muss in den Münchner Köpfen längst weitergedacht werden. Der Kader steht auf dem Prüfstand, das vorhandene Personal soll mit den Vorstellungen von Niko Kovac in Einklang gebracht werden und gleichzeitig wettbewerbsfähig bleiben. Seit Jahren ist das ein Spagat, der von der Dauerbrenner-Floskel „so reif wie heuer war die Zeit noch nie“ begleitet wird. Wie lange wird man diesen Satz beim Blick auf die Bayern noch aussprechen können?
Wer in den vergangenen sieben Jahren sechs Mal mindestens im Halbfinale stand, gehört zweifellos zu den besten Teams Europas. Und doch spiegelt dieses Endspiel zwischen Real und Liverpool die Trends im kontinentalen Vereinsfußball wider. Erfolgreich ist, wer entweder von seiner Erfahrung oder aber seinem großen Geld lebt. Im Optimalfall von beidem. Heißt übersetzt: Meist Spanier oder Engländer. Bei allen anderen muss das nötige Glück dazu kommen, das unter anderem den Bayern heuer verwehrt blieb.
Es gilt Antworten zu finden, auf dieses Finale wie auf die Tendenz, für die es steht. So leicht wie die Umsetzung der Reformen, die ab der kommenden Saison in der Königsklasse greifen, wird das nicht. Schon jetzt ist sicher, dass beim Finale 2019 auf eine Saison zurückgeblickt werden wird, in der es vier deutsche Fix-Starter gab; deren Spiele um 18.55 Uhr und 21 Uhr angepfiffen wurden; in deren Verlängerungen ein viertes Mal gewechselt werden durfte; deren Partien nicht mehr im deutschen Free-TV zu sehen waren. Alles neu – oder wie? Zumindest die Rahmenbedingungen. Vielleicht ein willkommener Anlass, auch sportlich den Trend zu widerlegen.