München – Nach dem Pokalfinale stellte sich Mats Hummels und gab selbst zu, dass ihm am Ende das Tempo gefehlt hat. „Ante Rebic ist ein Pfeil, der hat mir einige Meter abgenommen“, analysierte er erfrischend ehrlich. Eintracht Frankfurt machte es der Defensive schwer: Rebic und Kevin-Prince Boateng gaben die ekelhaften Einzelkämpfer an vorderster Front. So bringt man selbst die starke Abwehr der Bayern in Verlegenheit.
Trotz der Pokalpleite darf sich die Münchner Defensive weiter als eine der besten des Kontinents rühmen. In der Regel war sie abwehrbereit, vor allem, wenn Jupp Heynckes im Mittelfeld eine Doppelsechs als erste Hürde einbaute. Jerome Boateng, Hummels, Joshua Kimmich und Niklas Süle zählen zu Recht auch bei der Nationalelf zu Fixgrößen, David Alaba hat sich nach zwei Jahren der Selbstsuche gefunden, und in Rafinha hat man einen vielseitigen Vertreter, der sich oft ziemlich unfairen Vorwürfen ausgesetzt fühlen muss – man müsste Europas Spitzenvereinen lange abklappern, um so einen verlässlichen Ersatz zu finden, der sich ohne Mucken in seine Rolle einfügt.
Kimmich hat sich von der Erblast Philipp Lahms emanzipiert. An seinen Schwächen in der Rückwärtsbewegung (siehe das 1:1 bei Real Madrid) muss er zwar noch arbeiten, dafür macht er nach vorne ordentlich Druck; mit 15 Vorlagen ist er hinter Thomas Müller zweitbester Assistent. Carlo Ancelotti baute nach einer Saison der Zweifel auf ihn, Heynckes stellte ihn auf, wann immer es nur ging, und so ist er nach Robert Lewandowski der Bayer mit den meisten Einsätzen (47). Auch in der Laufleistung liegt er am Ende vorne: Kimmich rannte 418 Kilometer. Hummels erreicht übrigens überraschend 317 Kilometer, er ist damit Vierter in dieser Wertung.
Dennoch ist auch die Abwehr nicht komplett freizusprechen bei der Frage nach Verbesserungspotenzial. Boateng ist verletzungsanfällig, er kommt wie Hummels allmählich in die Jahre, zudem trägt er sich – mal wieder – mit Abwanderungsgedanken. Unter diesen Umständen wird an der Säbener Straße der Zukauf von Hoffenheims Kevin Vogt diskutiert, der 25 Millionen Euro kosten soll und ein Mann für die zentrale Position in der Abwehr wäre, egal ob Dreier- oder Viererkette. Der 26-jährige Vogt hat noch einen Vertrag bis 2020. Er steht schon lange auf dem Zettel von Hermann Gerland, da er seine Karriere beim VfL Bochum begann, wo das Bayern-Urgestein seine Wurzeln hat. Über den FC Augsburg und Köln kam Vogt vor zwei Jahren für drei Millionen Euro nach Hoffenheim.
Fazit: Der FC Bayern ist mit seiner Abwehr weiterhin „State of the Art“. Wenn Kovac aber künftig wie in Frankfurt auf eine Dreierkette bauen möchte, wäre der Transfer von Vogt angebracht. Kovac hätte im Neuzugang, Boateng und Hummels eine massive Mitte, dazu auf den Flügeln die gewitzten Alaba und Kimmich. So ist man gegen websige Formationen wie Rebic und Co. noch abwehrbereiter. Note: 2. ANDREAS WERNER