Zwischen den Riesen

von Redaktion

Anne Panther ist seit 2009 die einzige Bundesliga-Schiedsrichterin – und längst eine Spitzenkraft

VON Patrick Reichelt

München – Neulich im Audi Dome hat Anne Panther mal wieder den geballten Zorn zu spüren bekommen. Gordon Herbert, der Trainer der Frankfurt Skyliners, stürmte zur Halbzeit des Playoff-Duells beim FC Bayern wutentbrannt auf die Schiedsrichterin zu und donnerte seine Taktiktafel auf den Boden. Panther ließ Herbert trocken abfahren. Mit zwei technischen Fouls bedacht durfte sich der Kanadier in der Kabine abkühlen. Für Panther nur logisch: „Das war eben gegen alle Verhaltensregeln.“

Man ahnt: Für die 35-Jährige sind solche Situationen längst nichts Spezielles mehr. Schon seit 2009 gehört Anne Panther dem Schiedsrichter-Elitekader des Deutschen Basketball Bundes (DBB) an. Heute gilt die Frau, die vergangenen Sonntag auch den Halbfinal-Auftakt zwischen dem FC Bayern und Titelverteidiger Bamberg leitete, als die deutsche Spitzenkraft neben dem einzigen Profi-Schiedsrichter Robert Lottermoser. Nur logisch, dass sie die deutschen Farben auch in der Königsklasse Euroleague vertritt. In der laufenden Saison war sie zuletzt unter anderem beim Playoffspiel zwischen ZSKA und Khmiki Moskau im Einsatz. Davor unter anderem beim Schlager zwischen dem späteren Champion Real Madrid und Olympiakos Piräus. Eine Gelegenheit, die auch sie ins Schwärmen bringt: „Das war ein absolutes Highlight.“

Zwei bis vier Mal wöchentlich sind Panthers Dienste während der Saison gefragt. Das ist noch deutlich weniger als etwa bei Lottermoser, der 240 Tage jährlich unterwegs in Sachen Basketball ist. Doch auch so ist der Zeitaufwand groß genug. Wenn man zudem bedenkt, dass die Unparteiischen üblicherweise spätestens fünf Stunden vor dem Anpfiff am Ort des Geschehens eingetroffen sein sollen. Ihren Hauptjob in der Verwaltung des Uniklinikums Heidelberg hat Panther deshalb auf Halbtag umgestellt. Finanziell ist das machbar. Die Bundesliga zahlt ihren Unparteiischen pro Einsatz neben Spesen 500 Euro, die Euroleague immerhin 1300 Euro.

Doch das ist für sie nicht mehr als ein Randaspekt: „Basketball ist für mich eine Leidenschaft“. Die 1,77 Meter große Frau war lange auch selbst am Ball, bis in die 2. Bundesliga hat sie es gebracht. Doch sie merkte früh: Die Grenzen, die ihr als Spielerin gesetzt waren, gab es als Schiedsrichterin nicht. „Und irgendwie habe ich das Spiel auch früher eher wie eine Schiedsrichterin verfolgt.“ Nach ihrer Nominierung für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro hat sie sich endgültig von der aktiven Karriere verabschiedet. Voll auf die Karte Schiedsrichter setzen will sie bislang noch nicht. „Das ist auch riskant“, sagte sie, „was ist, wenn du dich verletzt?“

Wobei sie auch so arbeitet wie ein Profi. Ein Fitnessprogramm jeden zweiten Tag ist für Anne Panther ohnehin schon lange Selbstverständlichkeit. Doch wie viele Kollegen nimmt auch die Vorzeigeschiedsrichterin des DBB an, was sie weiterbringen kann. Dazu gehört neben dem steten Austausch mit den Schiedsrichter-Coaches auch die Zusammenarbeit mit einem Polizeipsychologen. Zu den Anleihen von den Ordnungshütern – das ist nur logisch – gehören „Deeskalationsstrategien“. Das richtige zu tun, um zu verhindern, dass eine Situation außer Kontrolle gerät. Anne Panther hat sich ein dickes Fell zugelegt. „Man muss verstehen, dass Angriffe nichts Persönliches, sondern im Interesse einer Mannschaft sind.“

Aber diese Frau ist wohl auch ganz einfach für diese Aufgabe gemacht. Das muss man sicherlich auch sein. Für die Auftritte in der hitzigen Hallen-Atmosphäre. Als Mittler zwischen Männern, die im Schnitt rund 30 Zentimeter größer sind als sie. Gerade letzteres ist ihr aber seit jeher leicht gefallen: „Ich finde es irritierend wenn ein Spieler gleich groß oder sogar kleiner ist als ich.“ Dieses Problem hat sie bei Gordon Herbert immerhin nicht gehabt. Der Frankfurter Coach ist 1,98 Meter groß.

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