Der Apfelsaft mit der Rosé-Optik

von Redaktion

Pressekonferenz-Podien sehen heutzutage aus wie Getränkemärkte. Überall. Und folglich auch bei der Nationalmannschaft, die natürlich ihren Softdrinksponsor hat und ihren Bierpartner. Menschen, die eine Pressekonferenz geben, sitzen immer hinter einer Batterie von Flaschen. Hier in Eppan auch – doch es gibt noch einen anderen Akzent. Einen regionalen. Es steht da auch eine Schale mit Äpfeln. Unsere Wunschvorstellung ist, dass Jogi Löw (der sich am liebsten einen Espresso mit auf die Bühne nimmt) mal herzhaft einen Apfel verzehrt. Die Fotografen, die nach dem anderen als dem üblichen Motiv gieren, würden ausrasten vor Glück.

Wir haben nicht widerstehen können, die 116-seitige Broschüre „Südtiroler Qualitätsprodukte – Genuss für Feinschmecker“ an uns zu nehmen. Aus ihr lernen wir, dass es 13 Sorten gibt, die die Bezeichnung „Südtiroler Apfel g.g.A.’ tragen dürfen. g.g.A. steht für geschützte geografische Angabe“. Der g.g.A.-Apfel ist im Trainingslager eines unserer Grundnahrungsmittel.

Die Südtiroler Organisatoren haben ein kleines Bistro für uns Reporter aufgebaut. Sind die Texte geschrieben und übermittelt, belohnen wir uns mit Käsewürfeln (Alta Badier vs Kräuterhexe), Vintschgerl, Joghurt, Apfelringen – und Schüttelbrot. Noch nie hat man einen Südtiroler Eingeborenen ein Schüttelbrot verzehren sehen – vermutlich wurde es nur für die Touristen erfunden, die sich denken: Das ideale Mitbringsel. Knäckebrot des Südens.

Der Hammer im Sortiment sind die Apfelsäfte. Sie haben einen in einer 0,75-Liter-Flasche, er sieht aus wie ein Rosé-Wein, er ist die perfekte optische Täuschung. Er wirkt so edel, dass man sich gar nicht getraut, ein Flascherl in den Rucksack zu packen. Für daheim. Obwohl die Südtiroler diskret wegschauen würden.

Der rote Apfelsaft hätte die große Bühne verdient, er sollte vor den deutschen Weltmeistern stehen dürfen. Doch leider leider: Er hat keine Markenrechte bei der Nationalmannschaft. Aber er ist eben schlau und hat sich in seiner festen Form seinen Platz auf dem Podium gesichert. Günter Klein

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