BASKETBALL

Ein Trio für besondere Fälle

von Redaktion

Bayern hat die wohl beste Guard-Reihe der Bundesliga – das könnte auch heute in Bamberg entscheidend sein

VON Patrick Reichelt

München – Es war die Szene, die nicht zuletzt bei Dejan Radonjic die Freude über einen eindrucksvollen Basketball-Abend seines FC Bayern ein bisschen trübte. Knapp zwei Minuten vor Schluss dieses dritten Halbfinals gegen Titelverteidiger Bamberg hatte Braydon Hobbs einen Schlag aufs Handgelenk erhalten. Gekrümmt stapfte der Spielmacher nach draußen. Minuten später marschierte der US-Amerikaner mit einem dicken Eisbeutel durch den Innenraum des Audi Dome. Radonjic haderte derweil: „Ich hoffe, es ist nicht so schlimm, ich hoffe es sehr.“

Schon heute abend (19 Uhr) müssen die Bayern schließlich schon wieder ran. In der Bamberger Frankenhölle steigt dann Halbfinale Nummer vier. Ob Hobbs wieder mitmachen kann oder nicht, das werden die Münchner – Playoffs sind die Zeit der Geheimnisse – erst kurzfristig öffentlich machen.

Nun hat der Hauptrunden-Champion in dieser Saison ja schon des Öfteren unter Beweis gestellt, dass er Ausfälle kompensieren kann – der an der Schulter verletzte EM-Finalist Vladimir Lucic etwa wartet gegen Bamberg noch auf die erste Einsatzminute. Und natürlich haben die Bayern in Reggie Redding oder auch Jared Cunningham Akteure, die Bälle verteilen können. Doch in Vollbesetzung haben die Bayern in diesem Jahr eben ein Kreativtrio, das es so in der Bundesliga nicht noch einmal gibt. Mit dem Serben Stefan Jovic, der in Normalform der alles überstrahlende Taktgeber des Pokalsiegers ist. Mit dem unverwüstlichen Arbeiter Anton Gavel, der in diesen Tagen vor allem in der Defensive schuftet. Und damit auch seinem Geschäftsführer Marko Pesic einigen Respekt abnötigt. „Wie er da arbeitet, das ist enorm“, sagte der Bayern-Chef, „ein ganz toller Teamspieler.“

Und dann ist da eben Braydon Hobbs. Der Unberechenbare, der Mann mit der Schwäche für die sogenannten No-look-Pässe. Jenen Zuspielen, bei denen er in die eine Richtung schaut und die andere spielt. Mit seinen Ideen und auch seinen Distanzwürfen war Hobbs in dieser Spielzeit oft ein Spezialist für die kritischen Momente.

Die gab es am Samstag beim fulminanten 99:72-Erfolg nicht. Und doch hat man auch in diesem Spiel, mit dem sich die Bayern in der Halbfinalserie den ersten Matchball verschafften, gesehen, was das Trio im Verbund wert ist. Dass die Bamberger Kreativzentrale mit Nikos Zisis, Aleks Nikolic und Maodo Lo wirkungslos blieb (insgesamt 5 Punkte/4 Assists) hatte viel mit den Münchner Guards zu tun, die es zusammen genommen auf 24 Punkte und 8 Assists brachten.

Beim ersten Spiel in Franken lief es allerdings genau umgekehrt. 31 Punkten des Bamberger Trios standen überschaubare 8 der Münchner gegenüber. Am Ende stand prompt eine 65:78-Niederlage.

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