ABSCHLUSSZEUGNIS DES FC BAYERN, TEIL III: MITTELFELD

Kovac hofft auf rockige Rookies

von Redaktion

Die Neuzugänge Goretzka, Gnabry und auch Sanches sollen aufgeigen – bei Thiago und Vidal drohen Missklänge

München – Am Ende sackte auch Thiago auf den Boden, wie alle Bayern hielt ihn nach dem K.o. im Halbfinale der Champions League bei Real Madrid nichts mehr auf den Beinen. Der Spanier hatte die Beobachter wieder mal vor eine schwere Aufgabe gestellt: Sein Auftritt war im Grunde stark, Thiago stopfte defensiv Löcher und spielte offensiv feine Bälle. Aber erneut hatte er in einem großen Spiel nicht den Unterschied ausgemacht.

Spieler wie er dürfen sich bei Uli Hoeneß’ Bilanz angesprochen fühlen, als der Präsident sagte, man bräuchte Männer, die man in Top-Spielen und nicht bloß gegen die Kleinen sieht. Urplötzlich ist Thiagos Zukunft in München unsicher. Ähnlich wie Arturo Vidal, der allerdings wegen seiner aktuellen Knieverletzung schwer zu vermitteln sein dürfte, gilt er als potenzieller Wechselkandidat. Denn das Angebot, das Niko Kovac nach den Sommerferien für das Mittelfeld vorfindet, ist sehr, sehr groß.

Die Neuzugänge Leon Goretzka und Serge Gnabry sollen aufgeigen, frisch und unverbraucht eine neue Zeit einleiten, und selbst den bisher mehr als glücklosen Renato Sanches, der sich als Leihgabe bei Swansea nicht besonders gut geschlagen hat, zählen sie hinter den Kulissen zur Riege der Rookies, die künftig in München rocken sollen.

Kovac, selbst einst „6er“, hat im Mittelfeld eine schwere Aufgabe vor sich. Sein Vorgänger Jupp Heynckes verstand es, sensible Seelen wie Thiago oder James mit robusten Pragmatikern wie Vidal und Javi Martinez zu vermengen – ganz zu schweigen von seiner Gabe, wie er die Pflege der Oldies Franck Ribery und Arjen Robben meisterte.

Fazit: Das Mittelfeld des FC Bayern ist prominent besetzt, benötigt aber eine Verjüngung. Es war immer wieder in der Lage, Spiele zu diktieren, ließ aber in den entscheidenden Partien den letzten Biss vermissen. Note 2 minus. Kovac hat da viel Arbeit vor sich. Er ließ bisher – notgedrungen – immer einen Fußball spielen, der nicht zum Personal der Münchner passt; es wird spannend, wie er mit seinen Optionen an der Säbener Straße spielt – und wie sie denn überhaupt heißen werden. ANDREAS WERNER

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