Eppan – Aus der Bundesliga kennt man einige Namen: Jordan Torunarigha (Hertha), Felix Passlack (Hoffenheim), Aymen Barkok (Frankfurt), Johannes Eggestein (Bremen), Marco Richter (Augsburg) – sie gehören zur U 20-Nationalmannschaft, die sich in Eppan zweimal dem A-Kader zur Verfügung stellt. Gestern Abend gewann Jogi Löws Mannschaft mit 7:1 durch Tore von Leroy Sane (2), Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Julian Brandt, Mario Gomez und Neuling Nils Petersen. Was aber viel wichtiger war: Für Torwart Manuel Neuer rückt die WM näher. Gestern spielte er 30 Minuten und hinterließ einen guten Eindruck. Der verletzte Mittelfuß hält. Morgen ist Spiel zwei gegen die U20.
Spiele mit dem Ziel, sie zu gewinnen, sind das nicht für den Nachwuchs. „Es geht um Inhalte. Um bestimmte Verhaltensweisen. Darum, Lösungsansätze zu provozieren“, erklärt Frank Kramer (ehemals Proficoach in Hoffenheim und Fürth). Seit zwei Jahren ist er beim DFB, zuständig für die U 20. Mit der soll er die Nationalmannschaft auf das vorbereiten, was sie in der WM-Vorrunde erwartet.
Es sind keine konkreten Mexiko- oder Südkorea-Simulationen, „es wird auch nicht gesagt: ,So, und ab jetzt sind wir Schweden’.“ Die U 20 macht das, was Löw wünscht. Das kann sein: „Hoch anlaufen wie die Mexikaner“, so Kramer, „oder ein Spiel mal runtermauern wie die Schweden gegen Italien“. Die Vorgaben: natürlich höchste Intensität „in den Bewegungen und beim Gegner stellen“ – aber keinen der Stars aus den Schuhen hauen.
Kramer ist es eine große Freude, dass er „die besten Spieler aus den Jahrgängen 1997 und 98“ zusammenbekommen hat. „Sie sind nach zwei Wochen Urlaub wieder eingestiegen – und sicher nicht in der Hängematte gelegen. Keiner hat gesagt: ,Da muss ich drei Wochen früher von den Malediven heim.’“ Der 46-Jährige nimmt einen „kindlichen Trieb“ bei seinen Spielern wahr. Die Gelegenheit, sich mal der Weltklasse zum Sparring zu stellen, wollte sich keiner entgehen lassen. Zudem sind die fünf Tage in Südtirol auch Belohnung für die Saison, in der die U 20 ungeschlagen blieb. „Sogar gegen den amtierenden Weltmeister England haben wir 2:1 gewonnen.“
Dennoch herrscht im U-Bereich des DFB nicht die beste Stimmung. Die U 17 wurde bei der EM (Kramer: „Ich habe 17 Turnierspiele gesehen“) vorgeführt, im Verband wird debattiert, was bei ihm und in den Nachwuchsleistungszentren der Clubs schief gelaufen ist. Kramer sieht es als Warnsignal, „dass die Bundesligisten sich 17-Jährige zunehmend aus Schweden und Frankreich holen“. Seine Jahrgänge sind da noch vergleichsweise intakt und hoffen, „ein kleiner Teil des deutschen WM-Erfolgs zu werden“. gük