Die Bayern greifen nach dem Titel

von Redaktion

Münchner Basketballer gewinnen dramatisches viertes Halbfinale in Bamberg 83:79 und ziehen ins Endspiel ein

VON Patrick Reichelt

Bamberg – Als die letzte Sirene verklungen war, herrschte für einen Moment Stille in der Frankenhölle. Der Moment der Gewissheit hatte die Bamberger Arena abgekühlt. Nach drei Meistertiteln in Folge hatte der FC Bayern dem Siegeszug der Franken ein Ende gesetzt. 83:79 (38:52) setzten sich die Münchner auch im vierten Halbfinale durch. Womit der Pokalsieger nun also auch nach der Meisterschaft greifen darf. Am Sonntag tritt Alba Berlin zum ersten Fínal-Showdown im Audi Dome an. Doch das war eine Aussicht, mit der sich zumindest Trainer Dejan Radonjic noch nicht befassen wollte: „Heute zählt für mich, was wir hier geleistet haben“, sagte der Montenegriner.

So manch einer hatte sich im Vorfeld dieses zweiten Duells in Franken ja gefragt: Musste die zweite fürchterliche Klatsche im Rahmen dieser Halbfinalserie nicht Spuren auf den Bamberger Gemütern hinterlassen? Die Antwort war schnell klar. Das 72:99 vom Samstagabend hatte den Meister höchstens angestachelt.

Bamberg startete jedenfalls ziemlich genau so, wie es die Bayern zuletzt im Audi Dome vorgemacht hatten. Mit aggressivem und intensivem Basketball – wie eín Team eben, das unbedingt im Wettbewerb bleiben will. Alleine der EX-NBA-Star Dorell Wright schien nachholen zu wollen, was er zuletzt verpasst hatte. Sechs seiner sieben Würfe schubste er alleine im ersten Viertel durch die Reuse. 14 der 33 (!) Punkte seines Teams brachte er auf sein Konto – das waren nur drei weniger als das merklich beeindruckte Bayern-Team in den ersten zehn Minuten gesammelt hatte. Da war auch die „Rote Wand“ der Bamberger Arena schnell auf Betriebstemperatur. „Sie haben uns überrannt“, stellte auch Reggie Redding fest.

Die Münchner versuchten sich gegen die drückende Umklammerung mit den Mitteln, die in den Heimspielen dieser Serie so gut funktioniert hatten. Das Team von Trainer Dejan Radonjic packte defensiv zunehmend entschlossener zu. Das nahm Bewegung vom Bamberger Scoreboard. Doch einer Aufholjagd standen sich die Bayern zunächst selbst im Weg. Fünf von elf Freiwürfen der ersten Halbzeit ließ man liegen – das erinnerte schon stark an die Horrorbilanz der ersten Partie in Bamberg als nur gut jeder zweite Wurf von der Linie saß (15/´28). Dazu fingen sich die Bayern unnötige Fouls ein. Besonders schmerzhaft: Die drei Vergehen von Jared Cunningham – der zuletzt effektivste Münchner musste ebenso wie etwas später Center Devin Booker früh mit ziemlich angezogener Handbremse spielen.

Aber gerade in Playoffspielen kann auch die Breite des Kaders zum Faktor werden. Und die Bayern hatten ja auch andere, die für den glücklosen US-Amerikaner in die Bresche sprangen. Der von Radonjic wieder entdeckte Alex King versenkte zwei Dreier, Danilo Barthel (19 Punkte) schuftete auf beiden Spielfeldhälften für zwei. Das reichte schon, dass sich die Bayern Mitte des dritten Viertels wieder auf sechs Punkte heranmogelten (58:64).

In so einer Situation kann ein Spiel Nervensache werden. Und es waren die Bamberger, deren Hände zitterten. Für ein Weilchen verlor der Meister völlig den Faden und blieb die ersten dreieinhalb Minuten des Schlussabschnitts ohne Punkt. Bis die Bamberger wieder zu ihrem Spiel gefunden hatten, waren die Bayern mit einem 16:3-Lauf im D-Zug-Tempo vorbeigerauscht.

Es war der Auftakt für eine dramatische Schlussphase, in der es beide Teams in der Hand gehabt hätten, das Spiel für sich zu entscheiden. Doch letztlich war es ausgerechnet dem glücklosen Jared Cunningham vorbehalten, für die Entscheidung zu sorgen. Einen Ballgewinn stopfte der US-Guard ins Münchner Glück. Und Barthel durfte dann doch eine kleine Kampfansage in Richtung Berlin senden: „Jetzt wollen wir natürlich auch den Titel.“

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