Die Knieverletzung des Smartphones

von Redaktion

Das DFB-Trainingslager hat sein erstes Opfer gefordert, es hat einen sicheren WM-Fahrer erwischt. Es wurde alles versucht, doch anders als bei den Fußballern konnte nicht vermeldet werden, dass die OP erfolgreich verlaufen wäre. Die WM in Russland wird ohne das Smartphone des Berichterstatters dieser Zeitung stattfinden, die EM 2016 bleibt der einzige internationale Auftritt des Handys. Es hat sich in Eppan ausgeschaltet. Für immer.

Ein typisches Sportlerschicksal. Es hatte – das darf man nicht verschweigen – eine Vorschädigung. Vor etwa einem Jahr: Display-Riss. Mehr als nur die erhoffte Prellung (mit der falschen Seite runtergefallen), ein Eingriff bei einem türkischen Allgemeinmediziner (Samsung, Apple, Nokia) war notwendig. Beim Sonntagnachmittagslauf in Eppan war die Schweißproduktion des Kolumnisten so ausgeprägt, dass die Neoprenarmtragetasche durchtränkt wurde und Flüssigkeit ins Gerät eindrang. Weil der Bildschirm wohl nicht mehr ganz fest saß. Das hat die Obduktion ergeben. Die Fans fieberten über Twitter mit, geizten nicht mit Behandlungstipps: Hard Reset (Drücken von Home- und Einschalttaste in verschiedenen Kombinationen und Intervallen), in den Schlitz der Auto-Klimaanlage stecken, fönen, in einer Socke auf die Heizung legen, in Reis eintauchen (soll Flüssigkeit entziehen).

Ärztliche Hilfe musste her. Wenn man „Handy Reparatur Südtirol“ googelt (am Computer, der geht noch), kommt als fünfter Vorschlag bereits: „Blasmusikinstrumente Oberrauch.“ In Meran war ein „Handy Doktor“ mit guten Bewertungen, eine Art Alternativheiler. Wir fuhren hin, doch es war geschlossen. Schild: „Termin nur nach Vereinbarung.“ Doch wie das anstellen ohne Telefon?

Schließlich ein Elektrogeschäft in Bozen gefunden. Hoffnung: Das Gerät wird angenommen, auch wenn es „it guat ausschaut“, wie der Techniker meint. Die Anmerkung, man sei als Begleiter der DFB-Auswahl hier, treibt ihn an, den Behandlungszeitraum („Zwoa, drei Tog“) zu korrigieren: Heute Abend. Bei der Abholung aber sagt er traurig: „Mutterplatine oxydiert.“ Das ist wie die irreparable Knieverletzung, die Karrieren beendet.

Nun muss natürlich Ersatz her. Eine Nachnominierung. Es gibt genügend Handys zur Auswahl. Dumm nur, dass die begehrenswertesten von ihnen festgeschriebene Ablösesummen haben. Und der Markt, das wissen wir, ist explodiert. Ablösefrei ist nichts zu haben, und der Markt weiß auch, dass der Kolumnist ein Telefon braucht. Am 4. Juni muss er sein Handy bei der FIFA gemeldet haben. Günter Klein

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