Trübe Tage in Paris

von Redaktion

Während Boris Becker die French Open als TV-Experte begleitet, wird in der Heimat das Scheitern seiner Ehe bekannt

von marc beyer

München – In Paris war die Stimmung am Dienstag mäßig. Über Nacht hatten sich dunkle Wolken über der französischen Hauptstadt gesammelt , wo die French Open in ihren dritten Tag gingen. Das zweite Grand Slam-Turnier des Tennisjahres litt dann spürbar unter den Niederschlägen, die anfangs für Pausen sorgten und auch das Fernsehprogramm bei „Eurosport“ beeinflussten. Statt Livematches wurde aus der Konserve gesendet, was zumindest für Boris Becker einen Vorteil hatte. Er hatte nicht so viel Bildschirmzeit.

Während der Tennis-Altmeister seinem Job als TV-Experte nachging, machte in der Heimat eine Meldung die Runde, die nicht mehr wirklich überraschte. Becker (50) und seine zweite Frau Lilly (41) haben sich nach neun Jahren Ehe getrennt, „einvernehmlich und freundschaftlich“, wie es in solchen Fällen immer heißt. Ein Anwalt bestätigte einen Bericht der „Bild“ und bat mit Rücksicht auf den gemeinsamen Sohn darum, die Privatsphäre des Paares zu achten.

Gerüchte und Andeutungen, dass es um die Ehe nicht zum Besten stehe, gibt es schon länger. Zuletzt waren die beiden kaum noch gemeinsam zu sehen gewesen. Becker, der Auftritten auf roten Teppichen selten abgeneigt war, ist in der Öffentlichkeit längst nicht mehr so präsent wie früher. Nach Jahren voller Turbulenzen, in denen er selten eine gute Figur abgab, ist er wieder in jenem Metier sesshaft geworden, in dem er seit mehr als drei Jahrzehnten eine Autorität ist. Als Tennisexperte agiert er für „Eurosport“ so souverän wie einst als Profi oder später als Trainer von Novak Djokovic. Auf seinem heimischen Terrain hat er sich einen großen Teil jener Unantastbarkeit zurückerkämpft, die er als Grand Slam- und Davis Cup-Held genoss und die später so gelitten hat. Selbst seine schlimmen finanziellen Probleme, die vor fast einem Jahr in der Insolvenz gipfelten, haben seinem Ansehen in der Szene nicht dauerhaft geschadet.

Längst hat der Weltmann Becker Gefallen an der Rolle des „Elder Statesman“ gefunden. Als „Head of Men’s Tennis“ etwa ist er im Deutschen Tennis Bund eine übergeordnete Instanz, die zwar ehrenamtlich tätig ist, bei Auftritten in Bundesstützpunkten und bei Turnieren aber verlässlich im Mittelpunkt steht. Nie fehlt bei solchen Terminen der einleitende Hinweis, Becker werde nur über sportliche Themen reden.

Während also die eine Hälfte des prominenten Paares viel dafür tat, private Schlagzeilen zu vermeiden, agierte die andere deutlich unverkrampfter. Die Niederländerin, die früher als Model, Croupier und Barkeeperin arbeitete, ist regelmäßiger Gast in TV-Formaten („Let’s dance“, „Circus HalliGalli“) und auch gegenüber Printmedien aufgeschlossen. Zum 50. Geburtstag ihres Ehemannes verfasste sie im vergangenen November einen öffentlichen Liebesbrief für die „Bunte“. Dort schwärmte sie, Becker habe ihr „ein Leben geschenkt, von dem wahrscheinlich alle Mädchen träumen“, und dankte für „emotionale Dinge wie tiefe Liebe und Vertrauen, aber auch Materielles wie luxuriöse Reisen im Privatjet, elegante Designermode, noble Autos, exklusive Veranstaltungen und noch vieles mehr“. Becker kommentierte diese Aktion niemals öffentlich. So dürfte er es auch jetzt halten, in den trüben Tagen von Paris.

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