München – Marko Pesic hatte seine eigene Art, sich bei Danilo Barthel für die getane Arbeit zu bedanken. Der Geschäftsführer der Basketballer des FC Bayern nahm den bärtigen Kopf des Nationalspielers in seine Hände und schüttelte ihn in beängstigender Weise hin und her. Und vermutlich hätte Pesic seine Beute am liebsten gar nicht mehr hergegeben. Zu groß war die Freude über diesen 83:79-Erfolg, mit dem Barthel und Co. Titelverteidiger Bamberg endgültig entthronten. Einzig Sportchef Daniele Baiesi konnte sich nicht ganz anschließen. Der Italiener stand scheinbar ungerührt im Abseits: „Wir sind nur im Finale, noch haben wir nichts erreicht.“
Ab Sonntag (15 Uhr) rangeln die Bayern mit Alba Berlin in der Serie nach dem Modus best of 5 darum, wer die Dauerchampions aus dem Frankenland nun beerben darf. Mit dem Blick darauf war der Ex-Albatros Reggie Redding erst einmal vor allem froh, dass man sich zumindest eine Extraschicht am Donnerstag hatte ersparen können. „Ich hoffe, dass wir uns bis dahin gut regenerieren können“, sagte er, „in dieser Serie werden wir alle Kräfte brauchen.“
Nach fünf harten Spielen im Viertelfinale gegen Frankfurt haben die Bayern am Dienstag auch in Bamberg noch einmal einen echten Kraftakt hinlegen müssen. Bis zu 20 Punkte waren sie in der ersten Halbzeit zwischenzeitlich zurückgelegen. Hatten so manches Handicap wegstecken müssen – Jared Cunningham und Devin Booker mussten foulbedingt weite Teile der Partie auf der Bank verbringen. Und doch fanden die Bayern einen Weg, das Spiel zu ihren Gunsten zu entscheiden. Was auch Trainer Dejan Radonjic zumindest ein kleines Lächeln abnötigte: „So eine Wende in so einer Atmosphäre muss man erst einmal schaffen.“
Aber es ist eben ein Vorzug, der auch im Finale wichtig werden könnte. Die Bayern haben in ihrem Kader immer Profis in der Hinterhand, die Verantwortung übernehmen können. An Alex King hätte vor einigen Wochen in diesem Zusammenhang wohl niemand gedacht. Aber der von Radonjic wieder entdeckte Routinier schuftete am Dienstag 25 Minuten mit. Wobei King in Dorell Wright den bis dahin alles überstrahlenden Bamberger aus dem Spiel nahm und nebenbei drei Dreier zur letztlich erfolgreichen Aufholjagd beisteuerte.
Für Spielmacher Braydon Hobbs, der trotz seines leicht lädierten Handgelenks aus Spiel drei wieder mitmachen konnte, war das keine Überraschung. „Wir waren wegen Verletzungen ja immer wieder in der Situation, dass wir Leute ersetzen mussten“, sagte er, „aber wir haben eine Gruppe von guten Spielern, die jederzeit spielen können.“ Vize-Europameister Vladimir Lucic etwa hatte in die Serie gegen Bamberg wegen einer Schulterblessur gegen Frankfurt gar nicht erst eingreifen können – ob er am Sonntag mitmacht, bleibt abzuwarten.
Es könnte eine ziemlich maßgebliche Frage sein, immerhin bekommen es die Bayern im Finale nicht nur mit der besten Offensive dieser Spielzeit zu tun – im Schnitt legte Alba bislang mehr als 90 Punkte auf. Ganz nebenbei geht es auch gegen den einzigen Konkurrenten, gegen den sie sich in der Hauptrunde eine negative Bilanz einhandelten. Dem 80:70 in Berlin folgte Ende März eine 72:91-Heimklatsche – vier Tage später folgte die Demission von Trainer Sasa Djordjevic. Für Reggie Redding freilich hat diese Partie keine Aussagekraft. „Jeder kennt die Umstände dieses Spiels“, sagte er. Am allerbesten er selbst – der US-Routinier musste seinerzeit wegen einer Tätlichkeit vorzeitig in die Kabine.