München – Das erste Zusammentreffen fiel diesmal ein bisschen anders aus. Als Bundestrainer Christian Prokop seine Handball-Nationalspieler am Montag versammelte, wuselten Kinder durchs vollgepackte Münchner Teamhotel. der Deutsche Handball Bund (DHB) hatte zum Lehrgang nur einen Tag nach dem Saisonende der nationalen Ligen auch die Familien der Spieler geladen. Den strapazierten Stars um Kapitän Uwe Gensheimer sollten die sportlichen Extraschichten zumindest ein bisschen versüßt werden. Der Paris-Legionär selbst fand es gut: „Ich bin mit einem guten Gefühl nach München gefahren“, sagte er.
Dieses Gefühl wollen Gensheimer und Kollegen heute abend auch aufs Feld der Olympiahalle transportieren. Nach dem Test der deutschen Frauen gegen Polen (17.30 Uhr) setzt sich die Auswahl von Bundestrainer Christian Prokop ab 20.00 Uhr mit Vize-Weltmeister Norwegen auseinander.
Und irgendwie ist diese Partie für die deutsche Auswahl so ein bisschen von allem. Sie ist Teil des sportlichen Regenerationsprogramm, das sich mit einer Japan-Reise der Nationalspieler ab morgen fortsetzt. Das Duell ist so etwas wie der Startschuss für das Vorbereitungsprogramm auf die Heim-WM im kommenden Januar. Und ein bisschen will man auch mal wieder für den Handball in München werben.
Genau das ist auch Axel Kromer, dem DHB-Sportdirektor ein Anliegen. „Wir werden alles dran setzen, dass der Handball hier wieder die Bedeutung bekommt, die er ja auch schon einmal hatte“, sagte er. Von 2005 bis 2012 hatte man in München schon mit dem Supercupfinale zwischen Meister und Pokalsieger geworben. Vor der letzten Heim-WM 2007 machte die Nationalmannschaft auch schon einmal mit einem Testspiel gegen Ägypten in der Olympiahalle Station. Und nun also die WM, eine Vorrundengruppe wird in München ausgetragen. Ein Beschluss, der nicht nur Befürworter hatte. „Es hat viele kritische Stimmen gegeben“, sagte Kromer, „weil es doch so viele Handball-Hochburgen gibt, die sich die Finger dafür abgeschleckt hätten.“
Für Christian Prokop ist das natürlich nebensächlich. der Bundestrainer ist bei der Vorbereitung auf das Unternehmen Heim-WM vergleichsweise eingeschränkt. Ende Oktober wartet die EM-Qualifikation. Danach folgt im Dezember noch ein Länderspiel gegen Polen und kurz vor dem Jahreswechsel, wenn die Bundesliga ihren Betrieb ruhen lassen, treten die Nationalspieler zum Feinschliff zusammen. Insofern gewinnt natürlich auch das Spiel gegen Norwegen an Bedeutung. Wobei Prokop notgedrungen auf einzelnen Positionen improvisieren muss. Zuletzt sagten auch noch Tobias Reichmann (private Gründe) und Abwehrchef Finn Lemke (Teilriss des Innenbandes im linken Knie) ab. Dafür holte der Bundestrainer den Lemgoer Tim Hornke an Bord.
Anders sieht die Sache im lager der deutschen Frauen aus. Das neuformierte Team des neuen Chefcoachs Henk Groener hat gerade mit zwei Pflichtsiegen gegen Litauen und die Türkei die EM-Qualifikation endgültig perfekt gemacht. Das Treffen mit den Polinnen vor ungewohnt großer Kulisse ist nun mehr ein Feiertag. Bei dem sich der Umbruch im stark verjüngten Deutschen Team noch einmal fortsetzt. Neben Lokalmatadorin Isabell Klein wird in Anna Loerper auch ein echtes Urgestein nach 245 Länderspieleinsätzen (425 Tore) verabschiedet.
Ein Abend der großen Emotionen also. Und die würdige Bühne ist der Bietigheimerin dafür wohl gewiss. Bis gestern waren bereits 9000 Tickets abgesetzt. Am Ende wird der 13. Länderspiel-Doppelpack in der Geschichte des Deutschen Handball Bundes wohl ansehnliche 10 000 Zuschauer unter das Zeltdach der Olympiahalle locken.