Am Montag erklärte sich Manuel Neuer vor der Presse, endlich! Er saß auf dem Podium im Medienzelt, doch er war da oben nicht allein. Dicht bei ihm: eine Südtiroler Stubenfliege.
Sie beschäftigte ihn. Setze sich aufs Gesicht, krabbelte über die Wangen des Weltstars. Der schüttelte sie ab, doch sie kehrte lästig wieder wie am Samstag in der zweiten Halbzeit die österreichischen Stürmer. Neuer unterbrach sich, drehte den Kopf, versuchte, mit der Hand das Insekt aus seinem Umfeld zu vertreiben.
Schwierig, sich da korrekt zu verhalten. Hätte er die Fliege mit der hohlen Hand eingefangen und zerquetscht, hätte er sie also richtig zu fassen gekriegt – den Journalisten unten wäre womöglich noch in den Sinn gekommen, vom „Fliegenfänger Neuer“ zu schreiben. Und er hätte die Tierschützer an den Hals bekommen. Wegen Insektensterben und so.
Dann ist es besser, das Tierchen gewähren zu lassen, es nicht zu töten, ihm nur ein paar Grenzen aufzuzeigen. So umging er die Situation, die Fliege zu jagen. Wenn er nun nach ihr geschnappt und sie ein jedes Mal verfehlt hätte – da wäre die Frage unumgänglich geworden: Reichen seine Reflexe überhaupt, um bei einer WM das deutsche Tor sauber zu halten?
So erscheint uns Manuel Neuer als sanfter und generöser Tierfreund. Der Herr der Fliege, das müssen ter Stegen und Trapp erst einmal nachmachen.
Erfreulicherweise werden die deutschen Fußballer in Südtirol von Attacken durch artenähnliches Getier wie Stechmücken verschont, auch der Autor dieser Kolumne ist durch die Abende auf seiner Terrasse weitgehend einstichfrei gekommen. Nicht zu vergleichen mit einem Trainingslager des FC Bayern am Gardasee, nur hundert Kilometer weiter von hier. Autan musste damals in Eimern angeliefert werden, um zu überleben.
Und wie wird es in Russland sein, auf das man sich in Eppan ja vorbereitet? Moskau selbst, so ist zu hören, sei unproblematisch: zu stressig, zu schlechte Luft für die Moskitos. Aber draußen vor den Toren der Stadt ändert sich die Lage. Watutinki ist so weit entfernt und von Land und Wäldern umgeben, dass mit Geschwadern zu rechnen ist. Watutinki – das Wort brummt und summt schon. Günter Klein