Prominenz auf der Couch

von Redaktion

Verletzt, aussortiert, untragbar: Nicht nur Sané muss bei der WM zuschauen – auch die anderen Teilnehmer lassen bekannte Gesichter zuhause

VON ANDREAS WERNER

München – Ederzito Antonio Macedo Lopes hatte im EM-Finale vor zwei Jahren keiner auf der Rechnung – auch die Verteidiger der Franzosen nicht. Als sich alle schon auf ein Elfmeterschießen einrichteten, hämmerte der Hüne den Ball aus 25 Metern ins Tor – die Entscheidung in der 109. Minute. Der Portugiese, der auf seinem Trikot nur das Kürzel Eder stehen hat, war der Held des Abends. Unvermutet, denn weder im Nationalteam noch für seine Clubs war er als Torjäger bekannt. So ist das im Fußball: Ruhm kommt und geht, und er ist eine launische Diva. Eder weiß das nur zu gut. Er schaffte es nicht in den WM-Kader.

„Aus menschlicher Sicht ist es hart, Spieler auszumustern, die bei der EM dazu beigetragen, ein großartiges Kapitel in Portugals Geschichte zu verfassen“, sagte Nationalcoach Fernando Santos: „Aber ich musste Entscheidungen treffen, die für mich besser passen.“ Neben Eder fehlen bei Portugal auch Routinier Nani und Renato Sanches, der vor zwei Jahren jüngster Europameister der Geschichte wurde. Der Münchner hat auch als Leihgabe an Swansea bisher nicht zu sich gefunden.

Die Prominenz auf der TV-Couch kann sich sehen lassen – Leroy Sané und Mario Götze genügen den Ansprüchen von Weltmeister Deutschland nicht, beim Geheimfavoriten Belgien erklärte Radja Nainggolan nach der Ausbootung sofort seinen Rücktritt. Der Mittelfeldmann vom AS Rom war bei vielen Turnieren eine unübersehbare Figur, diesmal konnte ihm Trainer Roberto Martinez keine angemessene Rolle geben, wie er sagte. Bei Spanien musste Julen Lopetegui gleich einer ganzen Reihe von Stars Ähnliches mitteilen; unter anderem war für Bayerns Javi Martinez kein Platz – obwohl er 2010 Weltmeister wurde und auch 2012 beim EM-Coup dabei war.

In England musste Joe Hart schlucken – nach 75 Länderspielen wurde die langjährige Nummer 1 nicht berücksichtigt, stattdessen fuhr Nick Pope als Nummer 3 mit, ohne je zuvor ein Länderspiel absolviert zu haben. Harts Platz erhält Jordan Pickford (Everton), der europaweit von den Top-Clubs beobachtet wird.

Frankreich gönnt sich seit 2015 den Luxus, Karim Benzema als untragbar einzustufen. Des Weiteren konnte sich Bayerns Kingsley Coman wegen einer Verletzung nicht genug in Szene setzen. Adrien Rabiot sorgte für einen Eklat, als eine Mail publik wurde, in der er Nationalcoach Didier Deschamps erklärte, er stünde nicht auf Abruf bereit und habe keine Lust auf die Trainingspläne im Anhang. Zudem hat die „Equipe Tricolore“ ihr Pendant zu Portugals Eder in Dimitri Payet. Der Offensivmann stand vor zwei Jahren noch als einer von zwei Franzosen in der Elf des Turniers, dennoch verpasst er die WM. Allerdings setzt ihn eine Verletzung matt.

Artikel 1 von 11