Seit acht Monaten Krise

von Redaktion

Wann hat die Nationalmannschaft zuletzt gewonnen und gegen wen? Tests gegen die Großen verliefen ohne einen Sieg

Eppan – Länderspiele finden nicht so oft statt, es kann sein, dass die Nationalmannschaft monatelang nicht zusammenkommt. Daher klingt die Statistik immer sehr wuchtig, weil der Maßstab für die Konsumenten die Vereinswelt ist. Die brutale Aussage also: Letztmals gewonnen hat Joachim Löws Truppe ein Spiel am 8. Oktober 2017. 5:1 gegen Aserbaidschan, es war das letzte Wort in der WM-Qualifikationsgruppe, und Joachim Löw war stolz, dass man es durchgezogen hatte: Lauter Siege, nirgendwo einen Punkt liegengelassen. Rekord.

Seitdem hat das Team nur noch „freundschaftliche Länderspiele“ (wie die Österreicher sagen) bestritten. Fünf an der Zahl. Kein einziges wurde gewonnen. Wobei zu sagen ist: Man nahm sich anspruchsvolle Gegner,

Im November war das Doppel England/Frankreich. Bei den Engländern hatte man noch eine Rückspielverpflichtung (Podolski-Abschied in Dortmund) einzulösen und erkickte in London ein 0:0. Es war das Länderspieldebüt für Außenverteidiger Marcel Halstenberg aus Leipzig, der sich kurz danach das Kreuzband riss – sonst hätte er wohl Chancen, jetzt zur WM zu fahren.

Vier Tage später in Köln in einem zu nur zwei Dritteln gefüllten Stadion ein 2:2 gegen Frankreich, das eine Talentshow abliefert und durch Alexandre Lacazette zweimal in Führung geht. Lars Stindls Ausgleichstreffer fällt in der dritten Minute der Nachspielzeit.

Im März trifft Jogi Löws Elf in Düsseldorf auf Spanien, es wird ein außergewöhnlich flottes „freundschaftliches Spiel“, nach dem man die Spanier auf die Rechnung für Russland nimmt, sich aber ebenso der eigenen Stärke bewusst ist. Anders ist die Stimmungslage nach dem 0:1 kurz danach in Berlin gegen Brasilien. Toni Kroos ist richtig ärgerlich auf die Mitspieler aus der zweiten Reihe, die es versäumen, sich in Abwesenheit von Thomas Müller und Mesut Özil aufzudrängen. Betroffen davon auch Leon Goretzka. Der sagt untertänig: „Von Toni nehme ich jede Kritik an.“

Löw ist der Warnschuss nicht unrecht, er sagt, das Trainingslager in Südtirol werde wichtig sein. Zwei Wochen konzentriertes Arbeiten.

Unterbrochen wird das Camp durch einen Ausflug nach Klagenfurt, um gegen Österreich zu testen. Der Gegner macht daraus sein „Spiel des Jahres“, Löw schickt erneut eine Nicht-A-Elf aufs Spielfeld. Und ärgert sich in seiner Coaching Zone „nicht über das Resultat“ (1:2), „sondern die Art und Weise, wie wir das Spiel eigenverschuldet weggegeben haben“.

So sind nun fünf sieglose Spiele (drei Unentschieden, zwei Niederlagen) zustande gekommen. Eine (Mini-)Krise. Die sich über acht Monate hinzieht.

Am Freitag soll sie beendet sein. Spritziger und kreativer will man sein, wenn man in Leverkusen auf Saudi-Arabien (WM-Teilnehmer, Eröffnungsspiel gegen Russland) trifft. „Die nächsten acht Spiele“, sagt Sami Khedira, „gewinnen wir, und alles ist gut.“ Günter Klein

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