Mediziner entlasten Karius

Trost fürs Seelenheil

von Redaktion

Das Letzte, was man von Loris Karius vor dem Aufbruch in die Ferien sah, war ein Bild am Flughafen, auf dem er schwer mitgenommen wirkte. Es stammte vom Tag nach dem Champions League-Finale, und allein dieses Datum war Erklärung genug. So sehen Menschen aus, wenn sie am tiefsten Tiefpunkt ihrer Karriere angekommen sind.

Seitdem ist es ruhig geworden um den bedauernswerten Torwart des FC Liverpool, was für Karius vermutlich ein Segen war. Nun ist er wieder in den Schlagzeilen. Es sieht ganz danach aus, als habe an jenem Abend in Kiew nicht nur seine Seele Schaden genommen. US-Ärzte haben eine Gehirnerschütterung diagnostiziert und die – betont vage – These aufgestellt, ein Zusammenhang zwischen Patzern und Brummschädel „könnte möglich sein“.

Viel helfen wird das Karius nicht mehr. Schon unmittelbar nach dem Spiel hatte die Torwart-Instanz Oliver Kahn den rüden Check des Real-Raubeins Sergio Ramos als verkraftbar abgetan, seine Miene sah stark nach „Indianer kennt keinen Schmerz“ aus. Im kollektiven Gedächtnis wird haften bleiben, wie Karius den Ball Karim Benzema in den Lauf warf. Dass er dabei womöglich in grenzwertiger Verfassung war, sieht selbst ein geschultes Auge nicht.

Der Tormann hat keinerlei mildernde Umstände geltend gemacht nach dem Spiel. Er hat gar nichts gesagt, sondern schweigend gelitten. Für sein Seelenheil mag es ein Trost sein, dass die kritische Öffentlichkeit nun eine Erklärung bekommt, die über das gängige Blackout-Muster hinausgeht. Noch dazu eine schlüssige. Dass es einem Athletenkopf nicht gut bekommt, heftig durchgeschüttelt zu werden, sollten auch Nicht-Athleten einleuchten.

Beinahe wichtiger aber ist, dass die Diagnose der US-Mediziner den Blick auf jene Methoden lenkt, die Ramos so gerne anwendet. Er hatte an diesem Abend ja nicht nur Karius auf dem Gewissen (vielleicht), sondern auch Premiumstürmer Salah (ganz sicher). Unter allen Weltklasseverteidigern pflegt der Spanier mit weitem Abstand die schmutzigste Spielweise, das ist nun auch wissenschaftlich belegt. Geschadet hat es Ramos aber auch diesmal nicht. Für Real-Fans ist er mehr denn je ein Held.

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