Bayern erkämpfen sich den Matchball

von Redaktion

Basketballer bezwingen Alba Berlin im dritten Finalspiel 72:66 und könnten nun am Mittwoch Meister werden

VON Patrick Reichelt

München – In der Schlussminute wischte Vladimir Lucic dann doch die letzten wieder aufgekeimten Zweifel beiseite. Der Serbe verwandelte seine Freiwürfe und setzte den Deckel auf eine Partie, die noch einmal zum Zitterspiel geworden war. Und so wurde dieser Abend doch zum Abend seiner Basketballer des FC Bayern, die in der Finalserie gegen Alba Berlin das Heft nun fest in die Hand genommen haben. 72:66 (46:29) gewann der FC Bayern die dritte Finalauflage. Kurios: In bislang fünf Saisonduellen triumphierte erstmals die Heimmannschaft.

2:1 also in der Serie nach dem Modus best of 5 – schon beim Wiedersehen am Mittwoch (20.00 Uhr) in der Hauptstadt könnte der Pokalsieger auch die Meisterschaft klarmachen. Hatte sich ja schon mal bewährt – den letzten Titelgewinn 2014 hatten die Bayern ebenfalls in Spiel vier in Berlin eingetütet. Verbindungen, die Bayern-Chef Marko Pesic noch nicht herstellen will: „Wir sind noch nicht Meister“, sagte er, „unsere Aufgabe ist jetzt, solche Dinge von den Spielern wegzuhalten.“

Wobei bei diesem dritten Finalduell schnell klar war: Alba hatte schon seine Schlüsse aus der zweiten Begegnung gezogen, in der man sich in eigener Halle mit 69:96 von den Münchnern übel hatte vermöbeln lassen. Die Bayern spielten physisch und die Gäste nahmen den Kampf an. Was herauskam war, das war zu erwarten, nicht unbedingt immer schön anzusehen. Es war ein zerfahrenes, hektisches Spiel mit vielen Unterbrechungen. Beide Mannschaften leisteten sich viele Unkonzentriertheiten. Bester Beleg: Schon zur Pause hatten die Statistiker 13:12 Ballverluste registriert – so viel wie sonst in einer ganzen Partie. Am Ende war alleine den Bayern das Spielgerät 27 Mal anhanden gekommen. „Unglaublich“, wie Reggie Redding befand. Kollege Vladimir Lucic fand es nicht ganz so überraschend. „In so einer Serie ist das dritte Spiel das schwierigste“, sagte er, „den Druck hat man heute beiden Mannschaften angemerkt. Aber die Kunst ist, ein nicht gut zu spielen und trotzdem zu gewinnen.“

Und dennoch: Mit derartigen Werten kann man normalerweise ein Spiel nicht gewinnen. Doch kurioserweise war das an diesem Abend lange kein großer Faktor. Die Bayern erarbeiteten sich schnell Vorteile. Das taten sie, indem sie die Bretter kontrollierten. Und vor allem taten sie es, indem sie die zum Serienauftakt noch so effizienten Berliner Distanzschützen aus dem Spiel nahmen. Ein einziger Dreier saß in Halbzeit eins,, auf Münchner Seite deren sieben – das war schon ein guter Teil der Erklärung für die 17 Punkte die das beste Team der Hauptrunde zur Pause zwischen sich und das zweitbeste gelegt hatte. Vier der sieben Münchner Dreier hatte Redding beigesteuert, der US-Amerikaner war mit 18 Punkten dann auch treffsicherster Münchner.

46:29, das war schon eine mächtige Hypothek, die die Berliner aber fast noch einmal abgeschüttelt hätten. Im Schlussviertel schaffte es Alba dann nämlich doch, den Bayern in ähnlicher Weise sein Tempo aufzudrücken wie im ersten Finale, das das Team von Trainerlegende Aito Garcia Reneses in der Verlängerung für sich entschieden hatte.

Für Pesic auch eine Frage der Substanz. „Zum Schluss ist uns ein bisschen die Kraft ausgegangen“, sagte er. Zu den nicht einsatzfähigen Profis hätte sich am Sonntag fast auch noch Alex King gesellt. Den Forward hatte ein leichter Infekt erwischt – und er spielte doch. Die Schlussminuten taumelten die Bayern tatsächlich von der Uhr. Der Vorsprung schnurrte bis auf vier Punkte zusammen (70:66). Doch dann leistete sich ausgerechnet Hauptrunden-MVP Luke Sikma ein Unsportliches Foul. Und das eine Chance, die sich Vladimir Lucic an der Freiwurflinie nicht entgehen ließ.

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