Der Makel ist weg

von Redaktion

Simona Halep gewinnt endlich ihren ersten Major-Titel

Von Pirmin Closse

Paris – Zärtlich schmiegte Simona Halep ihre Wange an den French-Open-Pokal, wie eine Mutter ihr Neugeborenes wiegte sie ihren Schatz liebevoll in den Armen. Diese Trophäe, das war nicht zu übersehen, bedeutete der Rumänin so viel mehr als „nur“ der erste Triumph bei einem Grand-Slam-Turnier. Sie war die Erfüllung eines Traums aus Kindheitstagen, die Erlösung nach zuvor drei verlorenen Finals. Und die Befreiung vom Makel der Weltranglistenersten ohne Major-Titel.

„Seit ich mit 14 beschlossen habe, Profi-Tennisspielerin zu werden, habe ich von diesem Moment geträumt“, sagte Halep nach ihrem 3:6, 6:4, 6:1-Erfolg im Endspiel gegen die US-Amerikanerin Sloane Stephens: „Es ist ein besonderer Moment, auch weil es hier in Paris passiert. In meiner Lieblingsstadt. Bei meinem Lieblingsturnier. Ich habe immer gesagt: ,Wenn ich einen Grand-Slam-Titel gewinne, dann will ich ihn hier gewinnen.’“

Dafür hatte Halep lange kämpfen müssen. Bereits 2014 und 2017 stand sie im Finale von Roland Garros, verlor damals zunächst gegen Maria Scharapowa und überraschend auch gegen die ungesetzte Lettin Jelena Ostapenko. Im Januar zog sie dann bei den Australien Open ins Endspiel ein, hatte gegen Caroline Wozniacki aber wieder das Nachsehen. „Im Endeffekt bin ich fast froh, dass es nicht in Melbourne geklappt hat, sondern hier“, meinte sie nun.

Doch bevor es soweit war, musste Halep auch im Finale gegen US-Open-Siegerin Stephens einige kritische Momente überstehen. Nach zögerlichem Beginn lag die Favoritin auch im zweiten Satz bereits 0:2 zurück. Doch die Erfahrung aus dem Vorjahr, die bittere Pleite gegen Ostapenko, weckte einen trotzigen Killerinstinkt in Halep. „Ich habe im ganzen Spiel das Match vom letzten Jahr im Kopf gehabt“, erzählte sie hinterher. „Das passiert mir nicht nochmal“, habe sie daraufhin beschlossen.

Lautstark angetrieben von unzähligen Rumänen unter den 15 000 Zuschauern drehte die 26-Jährige das Match – und durfte am Ende als erste Rumänin seit Virginia Ruzici vor 40 Jahren jubeln. „Jetzt bin ich glücklich“, sagte sie, nachdem es vollbracht war.

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