München – Er war das Gesicht der Basketballer des FC Bayern. Von 2013 bis 2017 trug Bryce Taylor das Münchner Trikot. Der US-Amerikaner war auch Dreh- und Angelpunkt des Bayernteams, das 2013/14 den bislang letzten Titel nach München bugsierte. Eine Mannschaft, die schon heute, in Partie Nummer vier der Finalserie zwischen Alba Berlin und dem FC Bayern (20 Uhr/Sport1) ihre Erben finden wie der heutige Bamberger Taylor glaubt.
-Der FC Bayern reist mit einem 2:1 zum vierten Finale nach Berlin. Das dürfte ihnen bekannt vorkommen…
Ohja, das ist alles noch so präsent. Ich kann gar nicht glauben, dass das schon wieder vier Jahre her ist. Und ich glaube, es wird wieder so kommen, ich glaube, dass Bayern es in Berlin macht.
-Woher kommt dieses Gefühl?
Ich habe das letzte Spiel gesehen. Berlin hat müde gewirkt. Ok, sie haben sich gewehrt und Bayern ist ein bisschen in Bedrängnis geraten. Aber trotzdem. Bayern hat das Momentum und die Spieler wissen jetzt, wie nahe sie dran sind, Meister zu werden. Dafür mobilisierst du noch einmal alle Kräfte. Und ich glaube, wir werden ein gutes Spiel sehen. Anders als das letzte, das eines der schlechtesten Spiele war, die ich seit Langem gesehen habe. Berlin wird noch einnal alles hineinlegen, aber Bayern macht es.
-Was hat Bayern, was Alba nicht hat?
Berlin hat auch eine sehr gute Saison gespielt. Das ist ein sehr gut gecoachtes Team. Aber in meinen Augen haben sie ein bisschen über ihren Verhältnissen gespielt.
-Stichwort gecoacht – der FC Bayern hat wenige Wochen vor den Playoffs den Trainer gewechselt. Das scheint der Mannschaft Nachhinein betrachtet nicht geschadet zu haben haben, oder?
Marko (Pesic, Geschäftsführer des FC Bayern Basketball, Anm. d.Red.) hat da eine sehr interessante Entscheidung getroffen. In einer Situation, in der sie ein paar Spiele verloren hatten. Das war sicher kompliziert. Und zunächst einmal hat alles ein bisschen wackelig gewirkt. Aber die Mannschaft hat gut reagiert und steht jetzt ja auch zurecht da, wo sie steht. Bayern ist in dieser Saison das beste Team. Gar keine Frage.
-Ihren neuen Verein Bamberg hatte man eigentlich als schärfsten Widersacher gesehen.
Ja, wahrscheinlich. Aber für uns war es von Beginn an keine gute Saison. Für mich ohnehin nicht, ich bin jetzt sechs Monate verletzt. Und es wird immer noch zwei Monate dauern, bis ich wieder ganz zurück bin. Das ist schon sehr hart. Aber man muss auch sagen: Sie waren besser. Von der Vorbereitung, wo wir sie bei einem Turnier in Kroatien getroffen haben. Da haben sie uns in den Hintern getreten. Und so ist es geblieben.
-Das hat in den letzten Jahren nie gelappt, als sie noch selbst in München gespielt haben. Was ist anders geworden?
Naja, grundsätzlich war das sicher nicht überraschend. Bayern ist ein sehr ambitionierter Verein. Es war zu erwarten, dass sie irgendwann einen Schritt nach vorne machen. Es hat ihnen sicher geholfen, dass sie einen Kern aus der letzten Saison zusammengehalten haben. Dazu kamen Spieler, die Qualität und Energie gebracht haben. Wie Jared Cunningham, Stefan Jovic oder Braydon Hobbs. Das ist schon ein sehr tiefer Kader.
-Wobei immer wieder wichtige Spieler gefehlt haben. Vladimir Lucic verpasste das komplette Halbfinale, jetzt fehlt Hobbs…
Aber da ist eben das Gute, wenn du einen breiten Kader hast. Wenn einer ausfällt, dann zeigen sich andere. Als Lucic ausgefallen ist, übernahm Cunningham. Als Macvan ausgefallen ist, machte Danilo Barthel einen Schritt nach vorne. Letztlich können ja immer nur fünf Spieler auf dem Feld stehen, aber die müssen es in diesem Moment halt zeigen. Das ist auch eine Qualität, die eine Meistermannschaft ausmacht.
-Inwiefern?
Es ist eine Qualität, mit Rückschlägen und Enttäuschungen umzugehen. Das hat Bayern auch seht gut geschafft. Sie haben ja immer wieder mal Enttäuschungen gehabt. So wie auch jetzt in den Playoffs, in denen sie auch ihre Spiele verloren haben. Aber sie sind immer wieder zurückgekommen. Immer wenn du gedacht hast, oha, jetzt wird es schwierig, sind sie immer noch stärker zurückgekommen. All diese Dinge zeigen aber auch, dass bei der Zusammenstellung des Kaders ziemlich viel richtig gemacht worden ist.
-So wie 2013/14?
Man kann die beiden Mannschaften von damals und heute sicher nicht unbedingt vergleichen. Abgesehen von ein paar Details natürlich. Wir hatten damals auch einen sehr breiten Kader, den besten der Saison. Und wir hatten auch bestimmte Spielertypen. So wie Heiko Schaffartzik, der immer gepusht hat und immer gewinnen wollte. Die Mischung hat gepasst. So wie es heute auch ist.
Interview: Patrick Reichelt