Eine Reise ohne Samowar

von Redaktion

Der gewöhnliche Russe hat es nicht so mit dem Englischen – das hat man uns mit auf die Reise gegeben. Und was wir auch gehört haben (und ja eigentlich schon länger wissen): Der Russe soll’s auch nicht so mit dem Fußball haben.

Aber da soll man sich mal nicht täuschen: Der Fußball hat sich tief hineingegraben in die russische Sprache. Wir wollen dies mit drei Beispielen belegen.

Ein wichtiges russisches Wort ist Futbolka. Heißt? Nein, nicht Fußball, das ist natürlich Futbol. Futbolka bezeichnet ein Stück Oberbekleidung, es ist der Sammelbegriff für jede Form von T-Shirts und – ja, auch – Trikots. Mesut Özil und Ilkay Gündogan haben neulich dem Herrn Präsidenten Erdogan aus der Türkei je eine Futbolka überreicht.

Das war einfach. Jetzt was Schwereres. „Po prostomu po futbolnomu.“ Eine Redewendung, zu übersetzen mit „Ohne Umschweife“ oder „Direkt in die Augen“. Wie beim Fußball. Es schmeichelt dem Futbol, dass man ihn in dieses sprachliche Bild einbaut. Denn viel schneller – vor allem in Russland – ist der Puck beim Chokkej.

Was für Kenner ist das Verb „Otfutbolit“. Jemanden wegschicken – und das nicht in freundlichem Ton. Jemanden abfertigen. Ihn wegkicken wie einen Fußball. Das ist der übliche Umgangston bei offiziellen Angelegenheiten in Russland. Auf einem Amt etwa. Oder in Deutschland bei der russischen Botschaft. Otfutbolit-Sätze sind „Haben Sie einen Termin?“ oder „Gehen Sie zum Reisebüro“.

Diesmal war es kein großer Aufwand mit dem Visum. Man ist ja auf einer Mission in Russland: Um zu berichten von der Fußball-Weltmeisterschaft.

Gestern haben wir uns auf den Weg gemacht. Eine weite und lange Reise, für gewöhnlich treten wir sie mit einem kleinen Wasserkocher an – Teetrinker halt.

Davon haben wir diesmal Abstand genommen – Grund ist eine Redewendung. Es wäre ein Fall von Reisen „S swaim samowarom“ – mit dem eigenen Samowar. Die russische Version von „Eulen nach Athen tragen“ – etwas Unnötiges mitbringen, weil es davon genügend gibt.

Also sind wir ohne Samowar ins Land der Futbolki gefahren. Vielleicht wird es die kommenden Wochen tatsächlich das Land des Futbols. Günter Klein

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