Madrid/Moskau – Erst die nationale Aufgabe in Russland, dann die königliche Mission in Madrid: Der spanische Nationaltrainer Julen Lopetegui übernimmt nach der Fußball-WM den begehrtesten Trainerjob seines Landes und pfeift dafür auch auf seine Vertragsverlängerung beim Verband. Lopetegui, der erst Ende Mai einen neuen Kontrakt bis 2020 unterschrieben hatte, folgt bei Real Madrid auf Zinedine Zidane, der nach dem Champions-League-Sieg von Kiew zurückgetreten war.
Die Personalie gab der spanische Rekordmeister gestern überraschend bekannt. Lopetegui bereitete sein Team zu diesem Zeitpunkt in Krasnodar auf den brisanten WM-Auftakt am Freitag (20.00 Uhr/ARD und Sky) gegen Portugal vor. Die Sporttageszeitung „Marca“, Reals Hausblatt, bezeichnete die Verpflichtung des 51-Jährigen als „Coup“. Lopetegui kehrt damit zu dem Verein zurück, für den er einst als Ersatztorwart, in der Scouting-Abteilung und als Coach der zweiten Mannschaft tätig war.
Für den spanischen Fußballverband RFEF ist es ein herber Verlust, der schon vor der WM Unruhe in die Mannschaft bringt. Sechs Spieler des Kaders laufen für Real auf, die übrigen 17 Akteure dürften verwundert auf die Nachricht aus der Heimat reagiert haben. Immerhin sind sie Lopetegui bisher bedingungslos gefolgt, qualifizierten sich mühelos für die WM und spielten sich in eine Favoritenrolle.
In Russland zählt für Lopetegui nur der Titel, in Madrid wird es nicht anders sein. Allerdings warten auf den Basken einige heikle Aufgaben. Nach drei Titeln in der Königsklasse sprach Zidane von einer Veränderung, die das Team benötige. dpa