Berlin – Sie haben gekämpft, sie haben dieses vierte Finale über weite Strecken bestimmt – und am Ende standen die Basketballer des FC Bayern doch als die großen Verlierer eines dramatischen Basketballabends da. 68:72 (34:29) verloren die Münchner das Duell mit Alba Berlin. Nichts war‘s also mit der Wiederholung der Geschichte von 2013/14, als die Münchner den Titel in Berlin klargemacht hatten. Wer die Baskets Bamberg als Champion beerbt, muss am Samstag (20.00 Uhr) im heimischen Audi Dome ermittelt werden.
Die Bayern hatten sich ja ein ganz einleuchtendes Konzept für dieses vierte Finale zurechtgelegt. Am besten so weitermachen wie zuletzt, die Qualitäten der Spiele zwei und drei auch in Berlin aufs Parkett bringen. Allem voran war das ja eine ziemlich kompromisslose Defensive gewesen. Und man merkte schnell: das funktionierte auch gestern ganz gut.
Alleine: Alba hatte so ziemlich die gleiche Spielidee. Weshalb die 11 712 Zuschauer in der mondänen Arena am Berliner Ostbahnhof zwar einen heißen Playoff-Kampf, aber eben wenige Körbe zu sehen bekamen. In den ersten zehn Minuten brachten die Münchner aus dem Feld gerade einmal jeden fünften Versuch ins Ziel. Besser klappte es da, wo man vom Gegner nicht gestört wird – an der Freiwurflinie. Sieben der ersten acht Versuche saßen. Daran konnten auch die gelben Luftballons nichts ändern, die die Berliner Fans zur Verwirrung hinter dem Korb schwenkten.
Für die Bayern war das ein Türöffner. Das kompakt auftretende Ensemble von Trainer Dejan Radonjic schien immer wieder drauf und dran, die Regie zu übernehmen. Aber anders als zuletzt hatten die Gastgeber diesmal die Spieler, die sie in den kritischen Momenten in die Partie zurückbrachten. Und das waren nicht etwa die „Scharfschützen“ Spencer Butterfield oder Marius Grigonis, die die Bayern-Defensive auch diesmal bestens im Griff hatte.
Als die Münchner kurz vor der Pause zu enteilen drohten, kam Niels Giffey von der Bank. Der Berliner Kapitän (20 Punkte) wirbelte und traf. Und brachte Alba ebenso wieder gleichauf wie nach dem Wechsel Joshiko Saibou (10) in ähnlicher Situation.
Womit dieses vierte Finale genau zu dem Drama wurde, das viele spätestens nach dem ersten Duell in München eigentlich für die gesamte Serie erwartet hatte. Die Bayern blieben zwar meist in Führung, auch dank Jared Cunningham, der sich nun doch ein ums andere Mal vom Zugriff der Berliner Defensive befreien konnte. Doch vor allem Routinier Luke Sikma stemmte sich und sein Berliner Team verbissen gegen das vorzeitige Ende der Titelträume. Vollstreckte (12 Punkte), griff Rebounds ab (8) und hielt die Gastgeber auch in der Defensive zusammen – genau dieser Qualitäten wegen hatte man den vorjährigen spanischen Meister (Valencia) in der Hauptrunde dieser Bundesliga-Spielzeit zum wertvollsten Spieler gekürt.
Kaum überraschend: Sikma war es dann auch, der Alba den Weg in ein fünftes Finale in München ebnete. In der Schlussminute, seiner 31. an diesem Abend, schnappte er sich den Ball und zog derart beherzt zum Korb, dass ihn Reggie Redding nur noch mit einem Foul stoppen konnte. Sikma setzte beide Freiwürfe ins Ziel, und das kleine Polster von drei Punkten (69:66), das er damit erarbeitete, war für die Bayern eine zu große Hypothek. Die Bayern versuchten ihr Glück mit Fouls, doch letztlich setzte Niels Giffey per Freiwurf den Deckel auf diese Partie.
Und die Mitarbeiter der Basketball-Bundesliga, die den Meisterpokal vor der Partie mit Samthandschuhen in die Arena gebracht hatten, packten die Trophäe stillschweigend wieder ein. Bis zum Samstag, wenn sie in München einen neuen Besitzer findet.