München – In Urlaub geht er noch nicht, erst Anfang Juli verabschiedet er sich – Karl-Heinz Rummenigge hält derzeit an der Säbener Straße die Stellung. Die Bosse des FC Bayern haben sich aufgeteilt, Sportchef Hasan Salihamidzic entspannt aktuell in Florida, Uli Hoeneß fieberte mit den Basketballern, und auch Niko Kovac soll sich erst einmal sammeln, ehe er als neuer Trainer einsteigt. „Ich habe mich mit ihm jetzt nicht mehr getroffen“, sagte Rummenigge bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuz an den früheren Vorstand Karl Hopfner, „Niko hat nun Urlaub und soll sich ausruhen. Wenn er am 2. Juli anfängt, ist alles okay. Es ist alles vorbereitet.“
Schmerzgrenze sei „sicher nicht niedrig“
Wobei: ein paar Fragezeichen begleiten die Münchner schon. Jerome Boateng hatte vor der Abreise zum Nationalteam Wechselgelüste geäußert, die Gedankenspiele seien „grundsätzlich nicht aus der Welt“, sagte Rummenigge, „die hat mir auch sein Berater (Christian Nerlinger/d. Red.) kundgetan. Wir wissen daher, dass dieses Thema möglicherweise auf uns zukommen kann. Wenn da etwas kommt, werden wir uns damit befassen.“ Eine Trennung von dem Innenverteidiger, der noch bis 2021 gebunden ist, sei dabei auch eine Frage der finanziellen Schmerzgrenze, sagte der Vorstandsboss: „Die gibt es, ja, da mache ich keinen Hehl draus. Sie wird sicher nicht niedrig sein.“ Momentan sei zwar „alles noch Spekulation – ich weiß trotzdem, dass er sich mit dem Thema befasst.“ Hoffenheims Kevin Vogt ist als möglicher Nachfolger allerdings kein Thema, erklärte Rummenigge: „Das war eine schlechte Quelle. Man sollte nicht immer glauben, was so erzählt wird. Den können Sie von der Liste streichen.“ In Niklas Süle haben die München bereits vor einem Jahr einen Mann geholt, dem die Zukunft gehört.
Bei Robert Lewandowski ist der FC Bayern unterdessen weiter nicht gesprächsbereit. Zur angeblichen Schmerzgrenze bei dem Starstürmer von 200 Millionen Euro, die Uli Hoeneß am Wochenende als „Quatsch“ abgetan hatte, meinte Rummenigge: „Das hat Uli ganz richtig gesagt: Es gibt keine. Dieses Thema gibt es bei uns nicht.“ Es habe alles Bestand, was man die ganze Zeit erkläre. „Ich habe ja schon vor Wochen gesagt, ich nehme Wetten auf seinen Verbleib bei uns an – und die nehme ich heute noch an.“
Er müsse da auch nicht mit Real Madrids Präsident Florentino Perez reden. „Nein, das brauche ich nicht“, sagte er. „Robert hat jetzt zweimal mit uns gegen Real gespielt. Bei beiden Spielen gab es ein Mittagessen der Club-Verantwortlichen – bei beiden Essen kam das Thema nicht ein einziges Mal zur Sprache.“ Misstrauisch habe ihn das nicht gemacht, er kenne Perez sehr gut, er sei „ein absolut offener Mensch“. Die Bayern hätten schon mal einen Spieler gehabt, an dem Perez größeres Interesse gehabt habe, erläuterte Rummenigge. „Da haben wir schnell die Tür zugemacht. Aus dieser Geschichte weiß ich, er würde es offen sagen.“ Es würde die Bayern aber auch „nicht interessieren, wenn Perez wegen Lewandowski anfragt. Wir haben da im Verein eine klare Entscheidung getroffen – und die hat Bestand.“ Kontakt zu Lewandowski suche er dazu nicht: „Wir tun jetzt gut daran, die Sache ruhen zu lassen. Robert hat jetzt seine erste WM vor sich, das ist ein Highlight seiner Karriere. Er soll lange im Turnier in Russland bleiben, es genießen – ich wünsche ihm viele Tore.“
Lewandowski wird also zurückerwartet, bei Thiago liegen die Dinge –––– Stand jetzt – genauso. Von Wechselgelüsten sei ihm „nichts bekannt“, sagte Rummenigge: „Bei uns hat sich kein Klub gemeldet, und auch Thiago nicht. Das würde ich unter der Rubrik Gerüchte verbuchen. Wir planen weiter mit ihm.“ Wobei er einräumte, „dass wir sehr viele Mittelfeldspieler haben“. Renato Sanches kommt zurück („das ist klar beschlossen“), zudem wechseln Leon Goretzka sowie Serge Gnabry. „Und Corentin Tolisso hat sich sehr gut gemacht“, so der Bayern-Boss, „es wird nicht einfach, für keinen Mittelfeldspieler bei uns.“ Weitere Neuzugänge seien nur geplant, wenn sich Unvorhergesehenes ereignet: „Der Kader, wie er jetzt dasteht, ist top. Wenn wir aber Spieler abgeben, schließe ich auch nicht aus, dass wir noch etwas machen. Aktuell müssten wir nichts in die Wege leiten.“
Für Manuel Neuers WM-Start gebetet
Bei der WM freut sich Rummenigge „am meisten, dass Manuel Neuer dabei ist. Ich muss fast sagen: Wir haben alle beim FC Bayern gebetet, dass er für die WM fit wird. Durch ihn hat Deutschland noch ein Stück mehr Qualität in der Mannschaft. Er ist nicht zufällig vier Mal Welttorhüter gewesen.“ Nur im Test gegen Österreich habe er „genau hingeschaut, wie er sich bewegt. Ich war sehr zufrieden. Es war völlig normal. Ich glaube, Manuel ist absolut WM-tauglich.“ Man habe auf Geduld gesetzt: „Es gab keine Alternative. Wir haben nach dem dritten Mittelfußbruch gesagt, dass wir auf Nummer sicher gehen – überhaupt kein Risiko! Wir haben immer ihm und dem Arzt die Entscheidung überlassen, wie weit er gehen kann. Das war die richtige Entscheidung.“