Es gibt eine Theorie, sie stammt von einem renommierten deutschen Journalisten, der sich bestens auskennt in der Welt der großen Verbände, der FIFA und des IOC. Die Theorie geht so: Die FIFA wird versuchen, Russland, den WM-Gastgeber, im Turnier so weit zu bringen wie nur möglich. Vielleicht sogar bis ins Halbfinale. Nut Verschwörungs-Gedöns? Oder denjenigen, die im großen Fußball hinter den Kulissen agieren, zuzutrauen?
Es gab ja den Fall Südkorea von 2002. Bei aller Sympathie, mit der man den Weg des Außenseiters ins Halbfinale begleitete: Es war zu erkennen, dass die Schiedsrichter ihm sehr gewogen waren, beim 2:1 im Achtelfinale gegen Italien waren Lug und Trug im Spiel. Doch es musste nicht zwingend von oben verordnete Anschubhilfe gewesen sein, um nach dem Aus des Co-Gastgebers Japan ein komplettes Absacken des asiatischen Marktes zu verhindern. Manchmal enden Spiele so, wie sie nicht hätten enden dürfen.
Ein 5:0 von Russland gegen Saudi-Arabien entzieht sich jedenfalls erst mal allen Verdachtsmomenten. Wenn etwas vorteilhaft war für den Gastgeber 2018, dann die Gruppe, die er bekommen hat – und den dazugehörigen Spielplan. Die Wahrscheinlichkeit, gegen die Saudis zu gewinnen ist höher als die eines Sieges gegen Uruguay – doch bei dem Zufallspotenzial, das der Fußball hat, kann das auch eine Milchmädchenrechnung sein.
Die Saudis haben sehr fehlerhaft gespielt, die Russen jedoch – Tatsache – erstaunlich ansehnlich. Und sie haben in Stanislav Tschertschessow einen Trainer, dem die Leute, die mit ihm zu tun hatten, Erfolg aufrichtig gönnen. Er war in den 90er-Jahren als Torwart eine Identifikationsfigur beim Bundesligisten Dynamo Dresden, und Jogi Löw schätzt ihn aus der Trainer-Spieler-Zeit, die man miteinander in Innsbruck hatte. Möge er mit Rossija nicht untergehen. Auf reguläre Weise.
Bei der WM wird erstmals der Video Assistant Referee eingesetzt. Es gibt tausend Gründe, diese Neuerung abzulehnen. Aber sie hat einen Vorteil: Sie schafft so viele Bilder, dass eine gesteuerte Begünstigung eines Teams zu offensichtlich sein würde.