Der Unermüdliche vor dem Ziel

von Redaktion

Danilo Barthel ist bei Bayerns Basketballern eine Schlüsselfigur – heute könnte er sein Team zur Meisterschaft führen

VON Patrick Reichelt

München – Als das vierte Finale in Berlin für den FC Bayern eine so unglückliche Wendung nahm, stand Danilo Barthel gar nicht mehr auf dem Feld. Die Münchner Allzweckwaffe hatte sich gerade noch von Albas Luke Sikma umrammen lassen. Wenig später sah er sich von der Bank an, wie just Sikma diese Partie von der Freiwurflinie endgültig zu Gunsten seiner Berliner bog. Barthel selbst hatte es wenig später abgehakt: „Wir müssen jetzt so gut wie möglich regenerieren und es dann eben im Audi Dome besser machen.“

Denn dort wird man man sich nun noch einmal treffen. An diesem Samstag (20.30 Uhr), wenn das BBL-Finale in der ausverkauften Arena am Westpark in seine definitiv letzte Runde geht. Und wie es ausgeht, dürfte wieder einiges mit Barthel und Sikma zu tun haben. Im Falle des Hauptrunden-MVP´s im Berliner Trikot war das zu erwarten, der US-Amerikaner wurde als Anführer in dei Hauptstadt gelotst.

Aber Barthel hat sich in München in eine ähnliche Position gearbeitet. Der Nationalspieler ist bei den Bayern der Mann für alle Fälle. Kann in der Defensive gegnerische Schlüsselspieler wie eben Sikma beackern, am Korb greift er wichtige Abpraller ab. Und ist längst nicht nur ein Mann fürs Grobe. Sechs Dreier hat Barthel alleine in den vier Partien dieser Finalserie beigesteuert – seine Trefferquote liegt bei 50 Prozent. Auch Bundestrainer Hendrik Rödl, der Barthel demnächst in der WM-Qualifikation braucht, sah es mit einem Lächeln: „Danilo ist ein kompletter Spieler geworden“, sagte er, „er spielt eine tolle Saison.“

Bayern-Trainer Dejan Radonjic dürfte ähnlich denken. Unter dem Montenegriner durfte der 26-Jährige in den Playoffs im Schnitt mehr als 24 Minuten ran. Warum das so ist, hat man spätestens im dritten Halbfinale in Bamberg gesehen. Als Center Devin Booker frühzeitig in Foulbedrängnis geriet, beorderte Radonjic eben seinen, mit 2,08 Metern, längsten Profi auf die Position direkt unter den Korb. Und der wurde dort mit 19 Punkten und sieben Rebounds zum Gesicht der Münchner Aufholjagd, die letztlich mit dem vorzeitigen Finaleinzug endete.

Keine schlechte Entwicklung für einen Mann, den nach seinem Wechsel von Frankfurt nach München im Sommer 2016 viele nur als Ergänzung im illustren Bayernkader sehen wollten. Doch mit akribischer Arbeit hat er sich zu einem der besten Spieler nicht nur im Audi Dome, sondern in der ganzen Liga entwickelt. Auch deshalb haben die Bayern nicht noch einmal nachgelegt als sich der Serbe Milan Macvan schwer am Knie verletzte. Sozusagen: Wozu einkaufen wenn man einen Barthel hat?

Es würde den Aufstieg des gebürtigen Heidelbergers natürlich veredeln, wenn er die Bayern am Samstag auch zur Meisterschaft schuftet. Wenn es gelingt, dann hätte er den nächsten Karriereschritt praktisch schon in der Tasche. Denn als Meister hätte der FC Bayern schon für die kommende Saison seinen Startplatz in der Euroleague sicher. Die Königsklasse ist auch für Barthel das nächste Karriereziel.

Wobei die Bayern ihren Aufsteiger erst einmal an Bord halten müssen. Barthels Vertrag läuft wie so manch anderes Münchner Arbeitspapier aus. Billig dürfte die Verlängerung nicht werden, doch das dürfte der Club in seinem Fall in Kauf nehmen.

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