Eröffnung – die deutsche Spezialität

von Redaktion

Die Nationalmannschaft hat am Sonntag gegen Mexiko eine Tradition zu verteidigen

Von Günter Klein

Watutinki – Arne Friedrich hat zwei erste Spiele bei einer WM bestritten: 2006 das 4:2 gegen Costa Rica, 2010 das 4:0 gegen Australien. 2014 war seine Karriere bereits vorbei, bei der WM in Brasilien war er trotzdem: als Experte fürs chinesische Fernsehen. Als er mit dem deutschen Medientross zum Auftaktspiel gegen Portugal nach Salvador flog, verströmte er Zuversicht. Portugal und Cristiano Ronaldo – keine Gegner, vor denen man sich fürchten müsse. Seine Erwartung: „Jerome macht Ronaldo weg“ (nicht so böse gemeint, wie es klingen mag). Sein Tipp: „4:0.“ So kam es.

Arne Friedrich saß neulich in der Talkshow von Anne Will, in der es vor allem um die politische Sicht auf die WM in Russland ging. Er vertrat das Anliegen der Sportler, um die es doch in erster Linie gehe und nicht darum, wer sich mit einem solchen Turnier schmücke. Konkrete Resultate sagte er nicht voraus, das war auch nicht gefragt worden – doch tendenziell ließ der ehemalige Verteidiger erkennen, dass er die deutsche Mannschaft für stark genug halte, um den Titel zu spielen. Was dabei helfe: gleich richtig loszulegen.

In diesem Jahrtausend hat die deutsche Elf verlässlich aufgedreht, wenn ein Turnier losging; das 8:0 gegen Saudi-Arabien von 2002 muss man noch dazunehmen. Mühsal bereitete eher das zweite Match, da gewann man nur eines (2006 gegen Polen, das 1:0, Odonkor auf Neuville in letzter Minute). Zuletzt vergeigt hat man den Einstand 1982 gegen Algerien (auch dazu gibt es einen Namen, der Erinnerungen weckt: Rabah Madjer). Insgesamt aber ist es eine schöne deutsche Geschichte über den Start in die Weltmeisterschaften.

Jerome Boateng sagt, ihm sei ein ansprechender Gegner am liebsten. Wie Portugal, wo er Cristiano Ronaldo wegmachte. Mexiko gehört zur besseren internationalen Klasse, „es ist schon eine große Fußballnation“, sagt DFB-Manager Oliver Bierhoff. Unbehaglich findet er nur, dass Deutschland im Rahmen von Turnieren jedes Spiel gegen die Mittelamerikaner gewonnen hat – das könnte dazu verleiten, die Aufgabe zu leicht zu nehmen.

Letztes Treffen war 2017 beim Confed Cup. „Ich erinnere mich an einen Superstart“, sagt Joshua Kimmich über das damalige Halbfinale. Die Deutschen hatten eine Experimental-Truppe aufgeboten, Mexiko spielte mit ähnlichem Personal, mit dem es diesen Sommer erneut nach Russland gekommen ist. 4:1 gewann das DFB-Team, das unter den Umständen Außenseiter gewesen war. „Gefühlt“, so Kimmich, „war Mexiko spielerisch besser, hatte mehr Ballbesitz“. Das dürfte am Sonntag im Moskauer Luschniki-Stadion nicht der Fall sein. Der Weltmeister wird agieren, von Mexiko erwartet man „aggressives Verteidigen“ (Joachim Löw).

Löw vertraut auf die Erfahrung in seinem Team, auf die oft nachgewiesene Fähigkeit, vom Freundschafts- in den Ernstspielmodus umzuschalten. DFB-Präsident Reinhard Grindel freute sich, als er den neuesten Ticketverkaufszahlen entnehmen konnte, dass aus Deutschland die zweitmeisten Bestellungen kamen. Oliver Bierhoff steht am Beginn seines neunten Turniers als Offizieller (vier WMs, drei EMs, zwei Confed Cups) und ist sich sicher, dass der Start gelingt und sich alle Themen wie Kritik am Quartierstandort („2010 waren es die lauten Frösche, 2014 die Fähre, hier ist es der Wald“) am Sonntag in Wohlgefallen auflösen wird. Und dass die Causa Özil/Gündogan in den Hintergrund treten wird. Man könne, bot er am Freitag an, „nach dem Turnier darüber sprechen“.

Artikel 1 von 11