München – Wenige Stunden vor Anpfiff des erstens WM-Spiels gegen Mexiko kann die U17 des FC Bayern der deutschen Nationalmannschaft schon mal vorführen, wie man erfolgreich einen Titel verteidigt. Am Sonntag um 13 Uhr empfängt die Mannschaft von Trainer Holger Seitz im Stadion des Bayern Campus Borussia Dortmund zum Endspiel um die deutsche B-Junioren-Meisterschaft. Im Vorjahr hatte der Bayern-Nachwuchs sein „Finale dahoam“ unter Trainer Tim Walter gegen Werder Bremen mit 2:0 gewonnen.
Sein Nachfolger, der 43-jährige Ex-Profi Seitz (FC Bayern II, Greuther Fürth, Karlsruher SC, Darmstadt 98), möchte nun nicht nur diesen Titel verteidigen, sondern zudem eine offene Rechnung begleichen. Vor einem Jahr hatte Seitz noch die U19 des Rekordmeisters trainiert und war mit dieser ebenfalls bis ins Finale durchmarschiert. Vor über 33 000 Zuschauern aber mussten sich die Münchner seinerzeit im Dortmunder Signal Iduna Park den Gastgebern nach 120 torlosen Minuten im Elfmeterschießen geschlagen geben (7:8). In diesem Jahr allerdings hat Seitz mit seiner U17 Heimrecht.
Dass ihm damit zusätzlicher Reisestress erspart bleibt, ist dem Bayern-Coach sehr willkommen. Hat Seitz doch derzeit ohnehin genug zu tun. Neben der Einstimmung auf das B-Junioren-Endspiel bereitet er das Regionalligateam des Rekordmeisters, das er im Sommer von Walter übernahm, der wiederum künftig Zweitligist Holstein Kiel betreuen wird, seit anderthalb Wochen auf die neue Spielzeit vor. Diese Vorbereitung fand bislang am Campus im Münchner Norden statt, erst nach diesem Wochenende erfolgt der Umzug an die Säbener Straße, wo die Reserve weiterhin beheimatet ist.
Mit seinem ersten Titel in der Tasche könnte Seitz die neue Aufgabe freilich weitaus beschwingter angehen. Als Favorit aber geht seine Elf nicht in die Partie. Zu souverän setzte sich Borussias U17 in der Weststaffel der B-Junioren-Bundesliga durch, bei nur einer Saisonniederlage und einem Torverhältnis von 88:22. Im Halbfinale wurde Bayer Leverkusen eliminiert (1:1, 2:0), die Bayern schalteten RB Leipzig aus (3:0, 2:0).
Und beide Teams verfügen über herausragende Individualisten. Beim BVB richten sich alle Blicke auf den erst 13(!)-jährigen Youssoufa Moukoko, der als derzeit größte deutsche Nachwuchshoffnung gilt und von allen großen europäischen Klubs gejagt wird. Doch auch die Münchner haben einige vielversprechende Talente in ihren Reihen. Allen voran den Deutsch-Brasilianer Oliver Batista Meier, dem allein in seinen 14 Einsätzen in der B-Junioren-Bundesliga 20 Treffer gelangen. 21-mal lief der 17-jährige Angreifer, der 2016 aus Kaiserslautern gekommen war, bereits für diverse deutsche U-Nationalteams auf. Doch auch seinen Offensivkollegen, dem Niederländer Joshua Zirkzee sowie den Deutschen Jahn Herrmann und Benedict Hollerbach, wird eine große Zukunft zugetraut. Matthias Horner