WM-GESPRÄCH MIT . . . DANIEL BIEROFKA

„Wenn die Leute Schmarrn erzählen, klinke ich mich ein“

von Redaktion

-Daniel Bierofka, am Montag starten Ihre Löwen in die Vorbereitung auf die Drittliga-Saison, Sie selber beginnen Ihre Ausbildung zum Fußballlehrer an der Akademie in Hennef. Viel Zeit, so etwas wie WM-Fieber zu entwickeln bleibt da nicht, oder?

Doch, auf jeden Fall. Eine WM ist immer etwas Besonderes. Ich mag es, wenn jeden Tag Fußball im Fernsehen ist. Klar: Die Zeit, alle Spiele anzuschauen, habe ich nicht, aber das Gefühl ist trotzdem da. Und natürlich hoffe ich, dass die deutsche Mannschaft möglichst weit kommt.

-Wie schauen Sie denn am liebsten WM-Spiele: Daheim auf dem Sofa? Im Biergarten? Oder sonst wo beim Public Viewing?

Kommt aufs Spiel an. Bei der WM in Brasilien war ich ab und zu mal im Hirschgarten. Da war immer richtig gute Stimmung. Das macht schon Spaß, mit den anderen Leuten mitzufiebern, die Emotionen zu erleben. Das ist viel intensiver, als alleine daheim vorm Fernseher zu sitzen.

-Schreckt es Sie nicht ab, dass man Stunden vorher da sein muss, um einen halbwegs guten Platz mit Blick auf die Leinwand zu ergattern? Oder setzen Sie darauf, dass Sie Löwen-Fans treffen, die für eine Vereinsikone wie Sie gerne zusammenrücken?

Ich schick’ einfach meinen Vater hin (lacht). Der ist Stammgast im Hirschgarten und meistens schon fünf Stunden vorher da. Der reserviert dann die Plätze.

-Kommentieren Sie die Spiele auch wie ein typischer deutscher Fußballfan und Biergartenbesucher?

Eigentlich bin ich eher ein schweigender Betrachter. Ich hör’ mir immer an, was die Leute außenrum erzählen – und nur wenn ich das Gefühl hab, das ist jetzt ein totaler Schmarrn, klink’ ich mich auch mal ein.

-Also sind Sie nicht so impulsiv wie an der Seitenlinie, wenn Sie Ihre eigene Mannschaft nach vorne peitschen?

Bei weitem nicht. Ich bin keiner, der da so rumschreit, ganz sicher nicht

-Die letzten Ergebnisse und Auftritte der Deutschen waren ja nicht so berauschend. Was erwarten oder erhoffen Sie sich beim Turnier in Russland?

Ich war ja auch lange Spieler – und bin jetzt seit vier Jahren Trainer. Vorbereitungsspiele zählen für mich nicht so viel wie manche denken – und ich glaub, das ist beim Jogi Löw auch der Fall. Man hört ja, dass sie sehr intensiv trainiert haben, als sie zur Vorbereitung in Eppan waren. Und wenn dann die Frische fehlt, fehlt die Kreativität, damit auch die Spritzigkeit. Das wird aber kommen. Ich bin felsenfest überzeugt, dass sie schon im ersten Spiel gegen Mexiko top da sein werden.

-Ihr Tipp: Wer wird Weltmeister?

Ich sag natürlich Deutschland, ist ja klar. Ich glaub aber auch, dass Brasilien extrem stark sein wird. Spanien musst du auch immer auf der Rechnung haben – trotz der Turbulenzen mit dem Trainer. Meistens gibt’s dann auch noch ein Überraschungsteam, Belgien könnte das sein. Und die Franzosen darf man natürlich auch nicht vergessen.

-Einer Ihrer Vorgänger bei 1860, der Österreicher Walter Schachner, hat mal ein Training angesetzt, als parallel dazu ein deutsches Spiel angepfiffen wurde. Denkbar auch für Sie?

Oh, so genau hab ich mir den Spielplan noch gar nicht angeschaut. Ich hoffe, dass es da nicht zu Überschneidungen kommt. Das Problem wird sein, dass ich selber oft an der Akademie in Hennef sein werde, dann leitet Günther Gorenzel das Training, und der ist ja auch Österreicher . . . (lacht). Naja, irgendwie werden wir halt zusehen, dass wir dann vielleicht früher trainieren und die Spiele hinterher gemeinsam mit der Mannschaft anschauen.

Interview: Uli Kellner

Artikel 1 von 11