Der erklärte Lieblingsort der deutschen Fußball-Delegation ist die DSM. Philipp Lahm besitzt jetzt ein T-Shirt von ihr: der Deutschen Schule Moskau. Er war am Montag zu Besuch. Vergangene Woche schon da gewesen: DFB-Chef Reinhard Grindel und DFL-Boss Reinhard Rauball. Sie mussten Autogramme geben. Das ist ihnen auch noch nicht passiert. Sie sollen begeistert gewesen sein.
Die DSM ist die Schule der Deutschen Botschaft. Auf einer Tafel im Foyer ist angezeigt, wer aus der Wirtschaft sie unterstützt, Siemens zum Beispiel. Es hat aber ein frecher Schüler an die Sponsorenwand auch einen Aufkleber der „Ostkurve Hertha BSC“ geschmuggelt. Das Schulgeld beträgt 5000 Euro, die englische Schule, so sagt die deutsche Schule, kostet dreimal so viel.
An die DSM gehen 500 Schüler. 100 in den Kindergarten, 400 in die Schule, jeder Jahrgang hat zwei Klassen, es ist ein Gymnasium Typ G8, also zwölf Jahre. Es kommen die Diplomatentöchter und -söhne, die Kinder von in Moskau arbeitenden Deutschen und auch einige Österreicher, Schweizer, Ungarn. Und jetzt der Hammer: Absolventen der Deutschen Schule Moskau waren die beiden Töchter von Wladimir Putin. Deshalb hat der Meister in alter Verbundenheit vor zwei Jahren zu einem Festakt seine Aufwartung gemacht.
Man kann natürlich fragen: Hat der Superrusse seine Kinder nicht an eine Schule wie all die anderen russischen Kinder schicken können? Gelebte Gleichheit im Moskauer Schulsystem. Denn hier sind die meisten Schulen immer noch nummeriert. Nachbar der Deutschen Schule, die mit ihrem Neubau aus dem Viertel heraussticht, ist die „Schule Nummer 875“. Das lässt schon erahnen: Moskau ist groß.
Wobei es für Putin kein Renommee gewesen wäre, seinen Nachwuchs an der 875er der 792 oder 620 unterzubringen. Denn auch unter scheinbar gleichgestellten Schulen gab es besondere. Die Spezialschulen mit starkem Kernfach trugen niedrige Nummern, die höheren kennzeichneten die allgemeinen. Was anderes als Schule 1 bis 10 hätte für die Putins gar nicht in Frage kommen können.
Heutzutage ist das Nummern-System aufgeweicht. In der Nähe unseres Quartiers befinden sich eine traditionell bezeichnete Institution („Bildungszentrum Nr. 1953 – Moskwa 98“) und eine mit neuem Namen („Kinderschule der Kunst benannt nach Franz Schubert“).
An der Deutschen Schule war es übrigens sehr nett. Philipp Lahm erzählte, dass er jetzt einmal im Monat SoccaFive spielt. Die Schulband hatte zu seiner Begrüßung „The Final Countdown“ vorgetragen, und über dem Eingang zur Schule steht als Leitspruch „Beeile dich, Gutes zu tun“. Alles passend zur aktuellen WM-Situation. Jogi Löw wäre willkommen. Vielleicht ist er noch lange genug in Russland. Günter Klein