München – Vor vier Jahren legte Günther Gorenzel seine Prüfung zum „staatlich anerkannten Fußballlehrer“ ab – mit einer glatten Note 1 im Abschlusszeugnis. Der Österreicher weiß daher genau, wie der Alltag von Daniel Bierofka aussieht, den er bis März von jeweils Montag bis Mittwoch zu vertreten hat. „Sehr anspruchsvoll und fordernd“ sei die Ausbildung an der DFB-Akademie, berichtet der Sportchef des TSV 1860. Doch natürlich, so Gorenzel, könne Bierofka auch in den Tagen, die er in Hennef verbringt, nicht ganz loslassen: „Wir kommunizieren in der Früh mit Sprachnachrichten – und am Abend noch mal.“ So sei Bierofka stets „up to date“ über die Dinge, die sich in München zutragen.
Gestern zum Beispiel konnte Gorenzel von einem überaus harmonischen Trainingsstart berichten: Bei der ersten Einheit in der Früh waren gut 100 Fans da, die dem mit acht Spielern verstärkten Team des Aufsteigers warmen Applaus spendeten. Hätte Bierofka womöglich mehr Spaß gemacht als der Vortrag über Vertragsrecht, der in Hennef auf dem Stundenplan stand. Aber, sagt Gorenzel und dürfte das auch so in einer seiner Sprachnachrichten übermittelt haben: „Mein Eindruck ist, dass die Fans wieder gerne zu 1860 kommen.“ Vorbei seien die Zeiten, da man sich für die Auftritte des Klubs auf und neben dem Platz „schämen“ musste.
Gorenzel sieht, dass etwas vorangeht: „1860 lebt. 1860 ist eine starke Marke – für mich nach wie vor einer der 25 interessantesten Klubs Deutschlands.“ Der Aufstieg in die 3. Liga sei zwingend notwendig gewesen, „damit es den Verein nicht zerreißt“. Aber, blickt er nach vorne: „Ziel muss sein, so schnell wie möglich in die 2. Liga zurückzukehren – oder höher.“ Wobei er betont: „Das wird noch einige Jahre dauern.“
Mit dem vorhandenen Kader, glaubt Gorenzel, sind die Löwen gut gerüstet für die Zwischenstation 3. Liga. „Wir haben die Notwendigkeit gesehen, in allen Mannschaftsteilen Qualität und Erfahrung aus höheren Ligen dazu zu holen“, sagt er und bilanziert: „Da sind wir bis auf die letzte Position durch.“ Quirin Moll, Sechser aus Braunschweig, soll heute dazustoßen. Einer für die „hintere Linie“ habe leider „zwei, drei Tage weniger Geduld gehabt“. Gemeint: Innenverteidiger Kevin Kraus, der dann von Heidenheim zum FCK wechselte. Einer der aktuellen Kandidaten ist Tim Rieder (FC Augsburg) – es gebe aber auch andere interessante Leihoptionen.
Heute, nach nur zwei Tagen des Kennenlernens, steht bereits das erste Testspiel an: um 18.30 Uhr beim Kreisliga-Absteiger BSC Sendling. Gorenzel will dort vor allem eines sehen: „Dominanz. Jeder soll sehen, wer der Profiklub ist.“ Damit er in der abendlichen Sprachmemo von reichlich Toren berichten kann.