-Herr Wasmeier, wo und wie schauen Sie die WM?
Wir sind in der Familie immer ein paar Leute, und Freunde sind auch meistens da. Aber es ist nichts Organisiertes. In der Familie tobt eigentlich immer der interne Kampf, aber da sind wir diesmal ja verschont geblieben (Anmerk. d. Red.: Wasmeiers Ehefrau Gitti ist Südtirolerin).
– Haben Sie selbst mal Fußball gespielt?
Ich muss ganz ehrlich gestehen und oute mich da gerne: Ich bin der einzige Skifahrer gewesen, der mit Fußball überhaupt nix am Hut gehabt hat. Wenn, dann haben sie mich ins Tor reingestellt und mich niedergeballert. Fußball ist für mich artfremd. Deshalb schaue ich aber trotzdem gerne. Auch wenn ich nicht sagen kann, wer was verkehrt gemacht hat (lacht). Das Einzige was ich sehe, ist, wenn Sportler nicht das Letzte geben und nicht miteinander arbeiten. Das erkenne sogar ich.
-So wie jetzt die deutsche Mannschaft gegen Mexiko?
Genau. Wenn nicht alle an einem Strang ziehen, haben die nie eine Chance. Dann können alle noch so gut Fußball spielen, dann ist es vorbei.
-Was glauben Sie: Wer wird Weltmeister?
Das Herz schlägt natürlich für die eigene Mannschaft. Viele sagen, die Brasilianer werden gewinnen. Aber als ich mir jetzt die Spanier und Portugiesen angeschaut habe, das war schon ein ziemlich flottes Spiel, mein lieber Mann.
-Gibt es sonst ein Team, für das Ihr Herz schlägt?
Wenn’s ein schönes Spiel ist und die sich gut verkaufen, bin ich da völlig frei. Bei der letzten EM hat mich Island begeistert. Einfach genial die Fans und wie so ein Außenseiter-Team Geschichte geschrieben hat. Das macht Spaß, wenn jeder kämpft.
-Politisch ist die WM in Russland nicht unumstritten. Wie haben Sie 2014 Olympia in Sotschi erlebt?
Bis auf die paar Ausländer, die da waren, waren das alles regimefreundliche Menschen. Die, die auf der Tribüne saßen, waren alle von Putin ausgewählt. So wurden bei Olympia die Stadien gefüllt. Das ist alles Propaganda. Der Sport soll die Probleme übertünchen. Was mich aber brutal schockt und was ich gar nicht verstehe, ist, dass eine FIFA das einfach so alles verdrängt, was in Russland passiert.
– Was meinen Sie?
Wir haben damals in Sotschi im Österreicher-Haus gefeiert, und Putin war zufällig auch da. Und kaum war Olympia vorbei, hat er die Krim überfallen. Das ist ja nicht zufällig entstanden, der hat das ja alles schon gewusst. Bei Olympia macht er einen auf Halligalli und Bestfriend, und im Hintergrund bringt er die Leute um. Das geht gar nicht.
-Wäre ein Boykott der richtige Schritt?
Das hat auch keinen Sinn. Wenn, dann hätte man sich das gleich von Anfang an überlegen sollen. Die Krim ist ja schon länger besetzt.
-Die nächste WM ist in Katar . . .
Es redet sich jeder schön. Wenn ich höre, dass der Kahn jetzt Torwarttrainer in Saudi-Arabien ist und Jogi Löw vom gleichen Manager betreut wird wie der Özil und der Gündogan, und der Manager eng mit Erdogan befreundet ist – was sollst da sagen? Moralisch würde ich das nie machen. Du musst selbst bei deiner Einstellung bleiben. Und Dinge nur wegen des Geldes zu machen, dafür habe ich kein Verständnis.
-Macht da Fußballschauen überhaupt noch Spaß?
Ich will jetzt die WM nicht schlecht reden. Der Sport ist der Sport. Ich hoffe, dass halt in Sachen Doping nichts aufkommt. Sonst wäre es wieder eine Farce. Aber diese heile Welt, dieses Bestfriend, was Putin jetzt wieder aufzeigt, das ist so eine Kampagne, das ist ja unglaublich. Ich bin viel in der Ukraine, und wenn man dann an der Grenze von Donezk steht, denkt man ganz anders. Deshalb hab’ ich so meine Probleme damit.
Interview: Julia Pawlovsky