Mario Basler gilt nicht unbedingt als rücksichtsvoller Feingeist. Seitdem sich der Ex-Fußballprofi im Ruhestand befindet, pflegt er vielmehr, rigoros die Verbalgrätsche auszufahren. Irgendwie muss man halt auch auffallen, wenn der einstige Starappeal verblasst ist. Und so kommt es nicht sonderlich überraschend, dass Basler nun dem viel gescholtenen Mesut Özil „die Körpersprache eines toten Frosches“ attestierte. Eine Schmähung, mit der sich der pfälzische Lautsprecher von so ziemlich allen Kriterien des guten Geschmacks verabschiedet. (Nebenbei sei angemerkt, dass auch Baslers Körpersprache in seiner Zeit beim FC Bayern nicht gerade vor Lebendigkeit strotzte – es kursierte damals der Spitzname: der Spaziergänger). Özil hat aber auch noch die Missbilligung eines zweiten prominenten Kritikers auf sich gezogen. Lothar Matthäus. Auch der ist nicht unbedingt ein Freund diplomatischer Ausdrucksweise, und entsprechend gnadenlos fällt sein Urteil als „Bild“-Kolumnist aus: „Ich habe bei Özil auf dem Platz oft das Gefühl, dass er sich im DFB-Trikot nicht wohlfühlt, nicht frei ist, ja fast: als ob er gar nicht mitspielen möchte.“ Matthäus mutmaßt gar, dass nach der WM selbst Özils Rücktritt aus der Nationalmannschaft nicht ausgeschlossen sei.
Da prasselt also – seit Wochen schon – einiges auf den schmächtigen Mann mit der Nummer 10 ein, der nicht unbedingt dafür bekannt ist, hart im Nehmen zu sein. Mittlerweile hat es sogar den Anschein, als befinde sich der Weltmeister in der Rolle des Sündenbocks für den miserablen WM-Start der DFB-Elf. Nun, für das 0:1 gegen Mexiko trägt der gebürtige Gelsenkirchener mit türkischen Familienwurzeln sicher nicht die alleinige Schuld. Aber der deutsche Buhmann hat eben auch gleich mehrere gravierende Fehler in Serie gemacht. Mit seiner Erdogan-Aktion verscherzte es sich Özil bei den Fans (und allen, die Erdogan für einen unseligen Tyrannen halten) – und danach versäumte er es, sich der Kritik zu stellen und wenigstens ein bisschen Reumut zu offenbaren. Auch ein öffentliches Bekenntnis zum Nationalteam wäre dienlich gewesen. Die tonnenschwere Bürde, die Özil, 29, derzeit zu stemmen hat, hat er sich selbst aufgeladen.
Die Frage stellt sich nun zwangsläufig: Kann Mesut Özil, der sich einst zu den weltbesten Spielmachern zählen durfte, der deutschen Mannschaft gegen Schweden aus dem Schlamassel helfen? Sehr nahe liegt die Einschätzung, dass der hochsensible Filigrantechniker von der aktuellen Situation überfordert ist. Von einem Spieler, dessen Selbstbewusstsein ganz offensichtlich schwere Beschädigungen erlitten hat, kann man keine Höchstleistung erwarten. Bundestrainer Joachim Löw hatte ohnehin noch im Trainingslager die Offensivkraft Marco Reus zur potenziellen „Rakete“ erklärt. Es wird höchste Zeit, dass der Dortmunder in die Startelf rückt. Auch wenn Özil Löws Lieblingsspieler ist.