Die Schattenmänner vom FC Bayern

von Redaktion

Olic bei Kroatien, van Bommel bei Australien – zwei Ex-Münchner als Trainer-Einflüsterer

VON ANDREAS WERNER

München – Neulich ist Davor Suker kurz mal richtig zornig geworden. „Hört mir auf mit 1998“, motzte der ehemalige Weltklasse-Stürmer und heutige Präsident des kroatischen Fußballverbandes, als er sich zum wiederholten Mal zur WM vor 20 Jahren in Frankreich äußern sollte. Damals drangen die Kroaten bis ins Halbfinale des Turniers vor, am Ende wurden sie Dritter, und Suker war mit sechs Treffern der beste Torschütze der Veranstaltung. Nicht einmal Deutschland hielt sie auf, die DFB-Auswahl wurde im Viertelfinale ausmanövriert. Seither aber sind die Kroaten bei allen WM-Teilnahmen in der Vorrunde gescheitert. „1998 ist lange her“, sagt Suker.

Diesmal soll es anders laufen, und in Ivica Olic hat Suker im letzten Herbst extra einen Einflüsterer für Trainer Zlatko Dalic in den Betreuerstab integriert, der helfen soll, dass das Teamgefüge intakt bleibt. Genau das ist nämlich die große Sorge. Der frühere Bundesliga-Spieler und Weggefährte von Olic Mladen Petric meinte vor der WM, in der Qualifikation sei „keine Mannschaft auf dem Platz“ gestanden. „Ich habe Angst, dass das Team wieder auseinanderfällt und zweifle, ob es bei der WM geschlossen auftritt.“ Olic stieß vor der erfolgreichen Relegation gegen die Griechen zum Stab. Seitdem herrscht Ruhe – bis auf wenige Aussetzer. Der 38-jährige langjährige Bayern-Profi, der 2002, 2006 sowie 2014 selbst als Aktiver an der WM teilgenommen hat und in 104 Länderspielen 20 Tore schoss, ist für seine ausgeprägte Teamfähigkeit bekannt. Nachdem der Auftakt mit dem 2:0 gegen Nigeria geglückt ist, gehen die Kroaten heute mit viel Selbstvertrauen an die schwere Aufgabe Argentinien heran.

„Es ist mir eine Ehre, unserem Land zu helfen“, meinte Olic mit viel Pathos über seine Aufgabe, ansonsten aber hält sich der frühere Stürmer konsequent defensiv im Hintergrund. Nachdem er beim TSV 1860 im letzten Sommer seine aktive Karriere beendet hatte, hatte es lediglich wenige Monate gedauert, ehe das Angebot des Verbands kam.

Bei Mark van Bommel, früher Teamkollege von Olic bei Bayern, lagen die Dinge komplizierter, ehe er in den Trainerstab von Australiens Nationalteam integriert wurde. Eigentlich sollte Bert van Marwijk mit Saudi-Arabien nach Russland. Doch nach der Qualifikation konnte man sich auf keinen neuen Vertrag einigen. Van Marwijk ging, wurde kurz darauf Trainer der Australier – und baute nach dem ersten Test den Betreuerstab um. Das 1:4 gegen Norwegen war „einfach nur erschreckend“, so der 66-Jährige, der seinen Schwiegersohn van Bommel nebst weiteren neuen Assistenten aus der niederländischen Heimat sogar aus der eigenen Tasche bezahlt. Fest steht dabei aber schon jetzt, dass sich die Wege trennen; van Marwijk wird wohl in Ruhestand gehen, bei van Bommel ist ein Trainerjob bei PSV Eindhoven in der Verlosung. Einige Male ging er auch schon bei seinem Ex-Club FC Bayern ein und aus, der 41-Jährige pflegt seit dem Abschied 2011 gute Kontakte an die Säbener Straße.

Heute gegen Dänemark stehen die „Socceroos“ nach dem 1:2 gegen Frankreich unter Druck. „Wenn man bei drei Spielen das erste verliert, muss man die anderen zwei gewinnen“, sagt van Bommel. „Wir sind nicht nur hier, um Sparringspartner zu sein.“ Es schadet nichts, einen Schattenmann hinter den Kulissen zu haben, der ein bisschen „Mia san mia“ ausstrahlt.

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