-Frau Breit-Keßler, Sie schreiben auch wieder einen WM-Blog mit dem Titel „Der heilige Rasen“. Wie heilig ist Ihnen denn der Fußball-Rasen?
Heilig sind mir der Liebe Gott und mein Glaube. Wir haben das Wortspiel gewählt, weil die Fußball-WM für viele Menschen tatsächlich eine kultische Veranstaltung ist.
-Ist der Fußball auch für Sie eine kultische Veranstaltung?
Ehrlich gesagt: Ja. Als Tochter eines Schiedsrichters und einer fußballbegeisterten Mutter bin ich von den ersten Lebensjahren an mit dem Fußball vertraut, der Fußball gehört von kleinauf zu meinem Leben. Ich war zwei Jahre alt, als mich meine Mutter zum ersten Mal auf den Fußballplatz mitgenommen und mir gezeigt hat, wie mein Papa übers Spielfeld läuft und pfeift. Das hat mich nachhaltig geprägt.
-Haben Sie eine Vorliebe für einen Verein entwickelt?
Ich bin in meiner Jugend zu einem leidensfähigen Sechziger-Fan geworden.
-Was war die erste WM, an die Sie sich erinnern können?
Ich habe einen ganz, ganz dunklen Eindruck von 1954 und von rasender Begeisterung. Das ist allerdings mein Geburtsjahr. Es wird wohl so sein, dass diese Erinnerung geprägt ist von den Erzählungen meiner Eltern.
-Welchen Eindruck haben Sie von dieser WM?
Es gibt viele Überraschungen. Die großen Mannschaften tun sich alle schwer, sich gegen die kleinen Teams durchzusetzen. Das zieht sich bisher durch alle Spiele.
-Schauen Sie sich nur die Spiele der deutschen Mannschaft an?
Das wäre mir zu fixiert auf das eigene Land. Obwohl mein Herz für Deutschland schlägt. Ich schaue mir aber auch gern die anderen Mannschaften an. Sehr schön war Spanien gegen Portugal. Das fand ich sehr aufregend. Das war für mich das bisher beste Spiel.
-Sie haben einmal gesagt: „Fußball ist mein Leben.“ Worin besteht für Sie die besondere Faszination für diesen Sport?
Es ist der Teamgeist, den man im Fußball braucht. Man darf Solist sein, man darf Star sein. Das gelingt aber nur, wenn man mit anderen zusammenspielt, wenn man sich untereinander verständigt, wenn man auch den anderen einen Erfolg gönnt, wenn man die anderen auch mal beschützt.
-In Ihrem Blog zählen Sie wesentliche Utensilien für Frauen während der WM auf. Dazu gehören Buntstifte, mit denen man sich das Gesicht in den Landesfarben anmalen kann, ein Bär zum Aufziehen, der „olé, olé, olé“ ruft, und zwei aufziehbare Schiedsrichter, die über den Tisch marschieren. War das nur ein Scherz, oder haben Sie das alles zuhause?
Ich muss es gestehen: Ja, ich hab das alles tatsächlich. Manches sind Geschenke. Wie die Schiedsrichter. Wobei ich das entzückend fand wegen meines Vaters. Den Bär habe ich mir selber gekauft. Den fand ich so goldig.
-Malen Sie sich als Deutschland-Fan wirklich schwarz-rot-goldene Streifen ins Gesicht?
Ja, sehr häufig (lacht).
-Wie enttäuscht waren Sie denn beim 0:1 gegen Mexiko?
Mir ging es nicht gut. Ich habe während des Spiels gedacht: Ich bin im falschen Film, das kann alles nicht wahr sein und ich wach’ gleich auf. So schlecht kann man gar nicht spielen. Ich konnte aber nicht aufwachen, weil es die Realität war. Das hat mich schon den ganzen Abend niedergedrückt. Inzwischen bin ich aber wieder munter.
-Wie sehen Sie denn die Chancen für die Partie am Samstag gegen Schweden?
Als Christenmensch bin ich immer voller Hoffnung und sehe getrost dem Spiel entgegen. Ein heimliches Bangen hab’ ich zwar schon, aber das gebe ich lieber nicht zu.
Das Interview führte Armin Gibis