München – Die Trikotfarbe ist deckungsgleich mit den Bildern der Erinnerung: blau, so blau wie das Dress des TSV 1860. Doch die Haare leuchten in Feuerrot wie beim Pumuckl, und auch die Füße stecken in Schuhen in den Farben des verhassten Erzrivalen FC Bayern. Es sind zwar nur Äußerlichkeiten, doch Yuya Osako hat sich in den letzten Jahren von den Löwen entfernt, das ist auch so ersichtlich. Mit seinem Treffer zum 2:1 über Kolumbien sorgte er für eine kleine WM-Sensation. Japan hat nun gute Aussichten aufs Achtelfinale.
Seine ersten Schritte in Europa hat der heute 28-Jährige beim TSV 1860 gemacht. Im Winter 2014 wechselte er von den Kashima Antlers aus Japans J-League. Er unterzeichnete einen Vertrag bis 2017, doch es war von vornherein klar, dass es sich um ein Spekulationsobjekt handeln würde. „Grias di, werst es seng: Minga is blau – i g’frei mi auf di auf da Wiesn, du mit Lederhosen im Hackerzelt“, lautete im Januar 2014 ein Facebook-Kommentar, als 1860 um den Offensivmann feilschte. Doch das Oktoberfest erlebte er nie, zumindest nicht als Löwe.
Seine Halbwertszeit in der Zweiten Liga dauerte nur ein halbes Jahr. Bei 15 Einsätzen erzielte er stolze sechs Tore und verabschiedete sich im Sommer zum 1. FC Köln. Für die Rheinländer lief er seither 108 Mal auf. Nach der WM schließt er sich Werder Bremen an. „Er ist sehr laufstark, aggressiv, technisch sehr gut und hat einen sehr guten Abschluss“, schwärmte einst der frühere Löwen-Trainer Friedhelm Funkel. Bei der WM in Brasilien stand er bereits zwei Mal in Nippons Startelf.
Auch in Kolumbien ist er nun bekannt. Sein 2:1 sei „ein Keulenschlag“, so die Zeitung „El Tiempo“, die Niederlage habe die Südamerikaner „auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht – die Favoritenrolle ist weg“. Bayern-Star James hörte sich auf Twitter nach asiatischer Weisheit an – und nach Durchhalteparolen: „Sieger lassen sich nicht von Fehlern abhalten. Sie heben ihre Köpfe und warten geduldig auf ihre Chance.“
Die Japaner gehen forscher an die nächste Aufgabe. Denn Yuya Osako, der Pumuckl aus Fernost, will in Russland noch einiges durcheinanderbringen. ANDREAS WERNER