Ein Wort ist in allen Sprachen gleich: „Taxi.“ Betonung auf der hinteren Silbe (außer in Deutschland). „Taxí“ – kein Flughafen in der Welt, an dem man nicht abgegriffen würde mit dieser untertänigst vorgetragenen Transferverlockung.
Als Russland noch die Sowjetunion war, kam man – zumindest als Ausländer – nicht so leicht an ein Taxi ran, wie man es aus dem Westen gewohnt war. Bestellen an der Hotelrezeption – am besten am Tag vorher. Spontan? Ha ha, Träumer. Glücklich, wer es schaffte, sich ein privates Taxi zu organisieren. Ungekennzeichnet. Wenn einen die Polizei anhält, bloß nicht verraten, dass dies eine bezahlte Fahrt ist. Sonst Sibirien. Für beide.
Typisch auch: Taxi kriegen, einsteigen, und beim Abrechnen kommt dieser Zuschlag und jener. Russland war eine Taxi-Service-Hölle.
Heute ist es Taxi-Paradies. Unfassbar modern. Bei einem Abend in der Deutschen Botschaft haben wir DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius und Vizepräsident Rainer Koch begeistert eine kleine Einführung in die gängigen Handy-Apps gegeben – falls der DFB-Fahrdienst mal nicht bereit steht. Vom Taxi lässt man sich in Moskau appholen.
Zugegeben: In Deutschland schimpfe ich über Uber. Macht einen etablierten Markt kaputt. Schützt unsere Taxler! Hier in Russland, wenn es schnell und umkompliziert gehen muss: Seid willkommen, Uber, Yandex und Gett.
Man stellt sich vors Haus und öffnet die App eines der Anbieter. Tippt ein, wohin man will. Es wird angezeigt, wie schnell ein Auto da sein kann. Zwei, drei Minuten. Man drückt „Order a taxi“. Nächste Meldung „En route.“ Und Info, was für ein Fabrikat kommt. Und in welcher Farbe. Der Preis wird auch gleich angezeigt, es gibt kein Verhandeln mehr, keine Aufschläge für Stau. Und kaum sitzt man drin, wird auf dem Smartphone angezeigt, in wie vielen Minuten das Ziel erreicht sein wird. Mein erster Yandex-Fahrer war so nett, dass er den Preis für die Fahrt nach Watutinki (614 Rubel) sogar abrunden wollte. Gut, Dankeschön dafür, dass er von mir was Neues gelernt hatte. Dass die Band Alphaville (ihr „Big in Japan“ dudelte in seinem Radio) aus Deutschland stammt. Aus unserem Land kannte er nur den Fußballer Schweiger. Er meinte Schweinsteiger, sagte aber, er interessiere sich mehr für Ballett als für Sport.
Wir haben uns gut unterhalten. Also er mich. Taxifahrer, Yandexfahrer, Uberfahrer, Gettfahrer. Eine Karosserie, nur der Lack variiert. Günter Klein