„Schlaaand!“ im Stimmungstief

von Redaktion

Dass früher wirklich alles besser gewesen ist, gehört bekanntlich zu den umstrittensten Thesen der Alltagsphilosophie. Aus der Perspektive des deutschen Fußball-Fans lässt sich nach einer WM-Woche zumindest an einem Befund nicht rütteln: Früher war die WM hierzulande schwarz-rot-goldener.

Erinnert sei an das deutsche Sommermärchen anno 2006, als Jubel, Trubel, Heiterkeit ausbrachen im ganzen Land und die Deutschen die Nationalfarben wiederentdeckten. Plötzlich wurde Flagge gezeigt. Die Banner hingen aus Fenstern, flatterten an Rückspiegeln und Spoilern. Im rauschhaften, sangesfrohen Miteinander wurde aus Deutschland das Kunstwort „Schlaaand!“. Der Kult hielt sich auch bei den Turnieren 2010/2014 . Gepriesen wurde der unpolitische Patriotismus. Und Deutschland war vor vier Jahren nicht nur Weltmeister im Fußball, sondern auch im Feiern.

Doch diesmal ist alles anders. Verschwunden die Fähnchen, es zeigt sich kein Fünkchen von Begeisterung. Die WM findet fast nur auf den Werbeplakaten statt. Das war übrigens schon vor dem Stimmungskiller gegen Mexiko so. Auch der Besuch des von internationalem Freigeist durchwehten Stammlokals am Münchner Beethovenplatz, dem Mariandl, bringt uns dem WM-Feeling nicht näher. Zwar ist extra ein Fernsehraum mit großem Bildschirm eingerichtet, und es werden auch sämtliche Spiele gezeigt. Doch die TV-Bilder, es kicken Russen und Ägypter, werden so gut wie keines Blickes gewürdigt. Dabei hat sich zumindest ein Kellner im WM-Look gekleidet. Er trägt das grüne Trikot des Deutschland-Bezwingers: Mexiko. Armin Gibis

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