ABGESANG DES TAGES

Tief unten im Tal der Könige

von Redaktion

In Ägypten fordern die Medien die Entlassung von Trainer Cuper – Salah kann nicht helfen

Moskau – Nach seinem Elfmeter zum 3:1 gegen Russland war Mohamed Salah auf die Knie gesunken, um dankbar den Rasen zu küssen – er wusste da schon: Glücksmomente werden für Ägypten bei dieser WM so kostbar wie Artefakte aus einem Pharaonengrab. 0:1 gegen Uruguay und nun die Niederlage – man ist tief unten im Tal der Könige angelangt, ohne Aussicht auf tolle Entdeckungen. Zuhause fordern die Medien bereits die Ablösung von Hector Cuper, obwohl er die Nordafrikaner zum ersten Mal seit 28 Jahren zu einer WM führen konnte. Der Argentinier sei „ein unfähiger Trainer“, zürnen sie ihm an den Ufern des Nils.

Top-Star Salah konnte seinem Land nicht so helfen wie geplant. Das erste Spiel hatte er wegen seiner Schulterverletzung im Finale der Champions League mit dem FC Liverpool gegen Real Madrid zunächst ausgesetzt, gegen die Gastgeber wirkte er nun vorsichtig und scheu. Er trug als Einziger ein langärmliges Shirt zum Trikot, als Schutz. Cuper klagte, der 26-Jährige habe die drei Wochen Vorbereitung mit Einzeltraining überbrücken müssen.

Ob mit einem fitten Salah aber mehr drin wäre? Die wenigsten seiner Teamkollegen präsentierten sich in WM-Niveau. In der Heimat wird geschimpft, die Spieler hätten sich zu sehr mit den Lockrufen großer Clubs beschäftigt. Die ganze Mannschaft stehe zum Verkauf, skizzierte die Zeitung „Al-Masry al-Youm“, sie sei „zu einem Produkt für Werber und Sponsoren“ geworden: „Alle haben mit dem Nationalteam Geschäfte gemacht, nur die Fans haben es umsonst unterstützt.“ So ist das in der Neuzeit: Artefakte sind rar, doch wer mit Spielern handelt, bringt sich um die Glücksgefühle, wenn der Ball bei einer WM rollt.  awe

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