Väterchen, dein Glas ist leer

von Redaktion

Es ist eine Nachricht, die so gar nicht zum Russland-Klischee passt: Trockene Kehlen! Das Bier in Moskau geht aus. Die Wirte haben nicht mit dem immensen Durst der ausländischen Besucher gerechnet. Dabei dichtete doch einst die Band „Dschinghs Khan“ in ihrer Ode auf „Moskau“ nicht nur von „Türmen aus rotem Gold“, sondern auch stimmungsvoll folgende Zeilen: „Kosaken hey hey hey – hebt die Gläser, hey, Natascha, ha, ha, ha, du bist schön, ah, ha, Towarisch, hey hey hey, auf das Leben, hey, auf Dein Wohl Bruder, hey Bruder, ho – Moskau, Moskau, Deine Seele ist so groß, nachts da ist der Teufel los, ha, ha, ha, ha, ha, hey“ . . . soll das alles nicht wahr sein? Die hohen Temperaturen sollen für den hohen Konsum verantwortlich sein, heißt es aus der Hauptstadt, das Leben pulsiert bis in die frühen Morgenstunden – und da will man eigentlich nie durstig sein. Beim Alkoholkonsum liegt Russland weltweit auf Rang 14, beim Bier sogar nur auf Rang 32 – die Steuern sind zu hoch, die Kaufkraft ist zu gering. „Liebe schmeckt wie Kaviar, Mädchen sind zum Küssen da – wirf die Gläser an die Wand, Russland ist ein schönes Land“, lauten die Verhaltenstipps im Text im „Moskau“-Schlager weiter, und: „Komm wir tanzen auf dem Tisch, bis der Tisch zusammenbricht.“ Die Gruppe „Dschinghis Khan“ rät zum Wodka: „Wodka trinkt man pur und kalt, das macht 100 Jahre alt.“ Und wenn es zur Strophe kommt „Väterchen dein Glas ist leer“, hat die Band auch eine Lösung: „Im Keller ist noch mehr.“ Bleibt für die Fans vor Ort zu hoffen, dass Dichtung und Wahrheit zueinander finden. Aus der Ferne also ein Zuruf aus der Bierhauptstadt München: Plündert die Keller, Kosaken! Auf Dein Wohl Bruder, hey Bruder, ho! Prost! ANDREAS WERNER

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