-Uschi Disl, Sie leben seit über einem Jahrzehnt mit Ihrem schwedischen Lebensgefährten Thomas und ihren Kindern Hanna und Tobias in Mora in Schweden. Wie ist dort die Stimmung vor dem WM-Spiel gegen Deutschland?
Für die Schweden ist das Spiel eine große Sache. Die Zeitungen sind voll davon. Die Stimmung ist natürlich großartig. Und hinzu kommt, dass in Schweden Mittsommernacht ist. Das ist eines der größten Feste im Jahr.
-Wie haben Sie denn die deutsche Niederlage gegen Mexiko erlebt?
Das war natürlich nicht so schön. Meine Kinder Hanna und Tobias (elf und acht Jahre alt/Anm. d. Red.) halten natürlich zu Deutschland und Schweden. Ich bin zwar nicht der große Fußballfan, aber die Niederlage war schon erstaunlich. Wir haben uns alle sehr gewundert. Die Deutschen sind doch große WM-Favoriten. Aber vielleicht ist es einfach nur ein schlechter Start. Es ist ja noch nicht vorbei.
-Wiegt in Schweden ein Erfolg über Deutschland nicht besonders schwer?
Die Schweden sind fair, ihnen geht es da jetzt nicht so sehr um die Nation. Sie wollen halt unbedingt gewinnen, um in die nächste Runde zu kommen. Nur das ist ihnen wichtig.
-Werden Sie als Deutsche im Hinblick auf das Samstagsspiel in Ihrem Heimatort Mora auf der Straße angesprochen?
Nein, so extrem ist es nicht. Aber man merkt schon: Das ist ein besonderes Spiel.
-Haben Sie denn einen Lieblingsspieler im deutschen Team?
Den Thomas Müller finde ich gut. Mein Bruder, der wie Müller in Otterfing wohnt, hat ihn zufällig beim Einkaufen beim Metzger erlebt. Er hat erzählt, dass die Otterfinger alle sehr begeistert sind, weil Thomas Müller so schön normal, bodenständig und nett ist.
-Wie hat man sich denn der Fußballabend am Samstag bei Ihnen zuhause vorzustellen?
Meine frühere Teamgefährtin Petra Behle ist ja derzeit bei uns zu Besuch. Sie wird aber am Freitag vor dem Spiel leider wieder abreisen. Dafür gibt es in der Nacht zum Samstag wegen der Mittsommernacht eine große Fete. Da haben wir das Haus voll, und einige Gäste werden dann sicher auch noch am Samstag da sein und mit uns das Spiel anschauen.
„Mein Herz schlägt nach wie vor für Deutschland“
-Wie wird’s ihrer Meinung nach ausgehen?
Schweden ist ja nicht so die große Fußballnation. Aber wenn die Deutschen so wie zuletzt spielen, bekommen sie ein Problem
-Wie sind denn Ihre Sympathien verteilt? Sie sind in Schweden heimisch geworden, sprechen fließend Schwedisch, fühlen sich hier sehr wohl …
(lacht) Aber mein Herz schlägt nach wie vor für Deutschland!
-Für Ihre Kinder dürfte das etwas schwieriger sein. Die sind ja in Schweden aufgewachsen.
Ja, das ist für sie schon speziell. Aber ich glaube, dass die beiden für beide Mannschaften die Daumen drücken.
-Ihr schwedischer Lebensgefährte Thomas Söderberg wird da wohl eindeutige Prioritäten haben.
(lacht). Klar, Thomas ist natürlich für Schweden. Und wie. Da gibt es nichts. Deutschland gegen Schweden – das wird für uns beide ein Problem sein auf dem Fernseh-Sofa.
Das Interview führte Armin Gibis